Brausetabletten: Vorsicht bei Bluthochdruck!
Brausetabletten sind praktisch, schmecken häufig angenehm fruchtig und lassen sich schnell einnehmen. Ob Vitamin C, Magnesium, Calcium, Schmerzmittel oder Erkältungspräparate – die sprudelnde Darreichungsform ist beliebt.
Doch genau dieser Sprudeleffekt kann eine unerwartete Begleiterscheinung haben: Viele Brausetabletten enthalten vergleichsweise viel Natrium. Für Menschen mit Bluthochdruck kann das relevant sein, denn eine dauerhaft hohe Natrium- beziehungsweise Salzzufuhr kann den Blutdruck erhöhen und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Brausetablette automatisch gesundheitsschädlich ist. Entscheidend ist vielmehr, wie viel Natrium ein konkretes Produkt enthält und wie viel Natrium insgesamt über die Ernährung aufgenommen wird.
Warum steckt überhaupt Natrium in Brausetabletten?
Der hohe Natriumgehalt kommt nicht unbedingt daher, dass das Produkt „salzig“ schmecken soll. Natriumverbindungen werden unter anderem für die typische Reaktion benötigt, durch die sich eine Brausetablette im Wasser auflöst und Kohlendioxid freisetzt.
Dabei können beispielsweise Natriumhydrogencarbonat oder Natriumcitrat zum Einsatz kommen.
Das Problem: Wer eine Brausetablette gegen Kopfschmerzen oder ein Vitaminpräparat einnimmt, denkt dabei normalerweise nicht an seinen Salzkonsum. Bei bestimmten Produkten kann die Tablette jedoch einen durchaus relevanten Beitrag zur täglichen Natriumaufnahme leisten.
Studie zeigt teilweise überraschend hohe Werte
Forschende des Universitätsklinikums des Saarlandes untersuchten den Natriumgehalt löslicher Präparate. Insgesamt wurden 72 Produkte betrachtet: 39 Vitamin-, Mineralstoff-, Calcium- und Magnesium-Brausetabletten sowie 33 frei verkäufliche beziehungsweise apothekenpflichtige Arzneimittel und weitere Präparate in Brauseform.
Bei den 39 Nahrungsergänzungsmitteln wurde der Natriumgehalt im Labor bestimmt. Bei den Arzneimitteln griffen die Forschenden auf die Angaben in den jeweiligen Fachinformationen zurück.
Das Ergebnis zeigt eine erhebliche Spannbreite: Je nach Produkt wurden Natriummengen von wenigen Dutzend Milligramm bis zu mehr als 500 Milligramm pro Tablette festgestellt. Bei den untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln lag der durchschnittliche Wert laut den veröffentlichten Angaben bei rund 380 Milligramm Natrium pro Tablette. Bei den untersuchten Schmerz- und Erkältungspräparaten waren es durchschnittlich etwa 450 Milligramm.
Eine einzelne Tablette kann damit durchaus einen nennenswerten Anteil der empfohlenen maximalen täglichen Natriumaufnahme liefern.
380 Milligramm Natrium sind fast 20 Prozent des WHO-Grenzwerts
Hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen, weniger als 2.000 Milligramm Natrium pro Tag aufzunehmen. Das entspricht weniger als 5 Gramm Salz.
Enthält eine Brausetablette beispielsweise 380 Milligramm Natrium, entspricht das:
380 mg ÷ 2.000 mg = 19 Prozent
Damit liefert eine einzige Tablette bereits knapp ein Fünftel der von der WHO empfohlenen maximalen Tagesmenge an Natrium.
Das ist allerdings nicht dasselbe wie 20 Prozent eines täglichen „Bedarfs“. Natrium ist zwar ein lebenswichtiger Mineralstoff, doch bei der WHO-Empfehlung handelt es sich um eine Obergrenze zur Verringerung gesundheitlicher Risiken und nicht um einen täglichen Mindestbedarf.
Noch wichtiger: Natrium kommt nicht nur aus Brausetabletten
Eine Brausetablette mit 380 oder 450 Milligramm Natrium muss immer im Zusammenhang mit der gesamten Ernährung betrachtet werden.
Natrium beziehungsweise Salz steckt unter anderem in:
- Brot und Backwaren
- Wurst und Fleischwaren
- Käse
- Fertiggerichten
- Snacks
- Saucen und Würzmitteln
- Konserven
- Instant- und Fertigsuppen
Gerade verarbeitete Lebensmittel können erheblich zur täglichen Salzaufnahme beitragen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist ebenfalls darauf hin, dass in Deutschland insbesondere Brot, Milchprodukte sowie Fleisch- und Wurstwaren relevante Quellen für Salz sind.
Wer bereits relativ salzreich isst und zusätzlich regelmäßig natriumreiche Brausetabletten verwendet, kann deshalb deutlich mehr Natrium aufnehmen als beabsichtigt.
Was bedeutet das für Menschen mit Bluthochdruck?
Bei Bluthochdruck lohnt sich ein genauer Blick auf die Natriumzufuhr besonders.
Eine hohe Natriumaufnahme kann den Blutdruck erhöhen. Umgekehrt kann eine Reduzierung der Natriumzufuhr den Blutdruck senken. Die WHO empfiehlt deshalb grundsätzlich eine Reduzierung der Natriumaufnahme.
Daraus folgt aber nicht, dass Menschen mit Bluthochdruck (*) grundsätzlich jede Brausetablette vermeiden müssen.
Sinnvoller ist eine differenzierte Vorgehensweise:
1. Natriumgehalt prüfen
Bei Arzneimitteln findet sich der Natriumgehalt beziehungsweise ein entsprechender Hinweis in den Produktinformationen. Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist die Situation weniger transparent. Genau diese fehlende Transparenz war ein wesentlicher Kritikpunkt der saarländischen Forschenden.
2. Bei regelmäßigem Gebrauch auf natriumarme Alternativen achten
Wenn ein Vitamin- oder Mineralstoffpräparat täglich benötigt wird, kann eine Tablette, Kapsel, ein Pulver oder eine andere Darreichungsform ohne beziehungsweise mit deutlich weniger Natrium eine sinnvolle Alternative sein.
3. Bei Arzneimitteln nicht eigenmächtig wechseln
Bei Schmerz- oder Erkältungsmitteln sollte nicht allein wegen des Natriumgehalts ein Medikament abgesetzt oder durch ein anderes ersetzt werden. Gerade bei regelmäßiger Einnahme ist es sinnvoll, Arzt oder Apotheke nach einer geeigneten natriumärmeren Alternative zu fragen.
Für gesunde Menschen sind Brausetabletten nicht automatisch problematisch
Auch hier ist eine pauschale Warnung nicht angebracht.
Eine einzelne Brausetablette mit beispielsweise 100 oder 200 Milligramm Natrium ist anders zu bewerten als ein Präparat mit mehr als 500 Milligramm. Ebenso macht es einen Unterschied, ob jemand gelegentlich eine Brausetablette verwendet oder täglich mehrere natriumhaltige Präparate einnimmt.
Für gesunde Menschen ist deshalb nicht entscheidend, Brausetabletten grundsätzlich zu meiden. Viel wichtiger ist eine insgesamt ausgewogene und nicht zu salzreiche Ernährung.
Wer seinen Vitamin- und Mineralstoffbedarf normalerweise über eine abwechslungsreiche Ernährung deckt, benötigt zudem häufig gar keine Nahrungsergänzungsmittel.
Besonders aufmerksam bei Schmerz- und Erkältungsmitteln
Ein häufig unterschätzter Punkt sind Brausetabletten als Arzneimittel.
Gerade bei Schmerz- und Erkältungspräparaten wurden in der Untersuchung teilweise erhebliche Natriummengen festgestellt. Die veröffentlichten Daten nennen für die untersuchten Schmerz- und Erkältungsmittel durchschnittlich rund 450 Milligramm Natrium pro Brausetablette.
Wer beispielsweise mehrere Dosen eines solchen Präparats über den Tag verteilt einnimmt, kann dadurch eine beträchtliche zusätzliche Natriummenge aufnehmen.
Das ist insbesondere für Menschen relevant, die wegen Bluthochdruck (*), Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen auf eine natrium- beziehungsweise salzarme Ernährung achten sollen.
Natrium ist nicht grundsätzlich schlecht
Bei aller berechtigten Vorsicht sollte man Natrium nicht zum „Gift“ erklären.
Natrium ist ein lebenswichtiger Mineralstoff. Der Körper benötigt es unter anderem für den Flüssigkeitshaushalt, die Nervenfunktion und verschiedene physiologische Prozesse.
Das Problem ist die zu hohe Aufnahme.
Die WHO empfiehlt Erwachsenen weniger als 2 Gramm Natrium beziehungsweise weniger als 5 Gramm Salz pro Tag. Eine höhere Natriumzufuhr steht mit einem erhöhten Blutdruck und einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang.
Was Verbraucher beim Kauf beachten sollten
Wer regelmäßig Brausetabletten verwendet, sollte nicht nur auf Vitamine, Mineralstoffe oder den Geschmack achten.
Sinnvoll ist es, auch die Zusammensetzung und – soweit angegeben – den Natriumgehalt zu überprüfen.
Besonders aufmerksam sollten sein:
- Menschen mit Bluthochdruck
- Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Menschen mit Erkrankungen, bei denen eine salzarme Ernährung empfohlen wurde
- Personen, die regelmäßig mehrere Brausetabletten beziehungsweise Arzneimittel einnehmen
- Menschen mit insgesamt hoher Salzaufnahme
Bei Unsicherheit kann die Apotheke eine geeignete Alternative nennen.
Die bessere Strategie: Salz nicht nur bei Brausetabletten sparen
Wer seinen Blutdruck günstig beeinflussen möchte, sollte sich nicht allein auf einzelne Produkte konzentrieren.
Die größeren Natriumquellen liegen häufig in der normalen Ernährung. Brot, Wurst, Käse, Fertiggerichte, Snacks und stark gewürzte beziehungsweise verarbeitete Lebensmittel können sich über den Tag zu erheblichen Mengen summieren.
Deshalb sind einfache Maßnahmen oft sinnvoller als die Angst vor einer einzelnen Brausetablette:
- weniger stark verarbeitete Lebensmittel essen
- beim Kochen sparsamer salzen
- stark salzige Fertiggerichte und Snacks reduzieren
- häufiger Gemüse und Obst essen
- bei verpackten Produkten die Nährwertangaben vergleichen
- bei regelmäßig benötigten Präparaten auf den Natriumgehalt achten
Fazit: Brausetabletten sind keine „Salzfalle“ für jeden – aber Hinschauen lohnt sich
Brausetabletten sind praktisch und können medizinisch sinnvoll sein. Ihr Natriumgehalt sollte jedoch nicht unterschätzt werden.
Die Untersuchung des Universitätsklinikums des Saarlandes zeigt, dass manche Brausetabletten mehrere hundert Milligramm Natrium pro Tablette enthalten. Eine Tablette mit 380 Milligramm liefert beispielsweise bereits rund 19 Prozent der von der WHO empfohlenen maximalen täglichen Natriumaufnahme.
Für Menschen mit Bluthochdruck ist deshalb ein Blick auf den Natriumgehalt besonders sinnvoll. Eine pauschale Verbannung aller Brausetabletten ist dagegen nicht notwendig.
Entscheidend ist das Gesamtbild: Wie viel Natrium enthält das konkrete Präparat? Wie häufig wird es eingenommen? Und wie viel Salz beziehungsweise Natrium kommt bereits über die normale Ernährung hinzu?
Wer diese Fragen berücksichtigt, kann die Vorteile von Brausetabletten nutzen, ohne eine unnötige zusätzliche Natriumquelle zu übersehen.
Ihre Gesundheit ist es wert!
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