Rechtsruck in Italien: Die neue Partei „Futuro Nazionale“
Während in Italien (*) seit mehr als drei Jahren die rechtsgerichtete Politikerin Giorgia Meloni als Ministerpräsidentin regiert, formiert sich an ihrem rechten Rand ein neuer Herausforderer. Die Partei „Futuro Nazionale“ (Nationale Zukunft) unter der Führung des ehemaligen Generals Roberto Vannacci positioniert sich noch radikaler und sorgt mit dem Begriff „Remigration“ für Aufsehen. In diesem Beitrag erklären wir, was dahintersteckt und welche Bedeutung das für die politische Landschaft – auch in Deutschland – haben könnte.
Was ist „Remigration“?
In der öffentlichen Debatte klingt der Begriff „Remigration“ zunächst neutral und wird manchmal mit freiwilliger Rückkehr in Verbindung gebracht. Tatsächlich wird er jedoch in rechtsextremen und identitären Kreisen anders verwendet: Er steht für die Forderung nach einer großangelegten, oft zwangsweisen Rückführung von Menschen mit Migrationshintergrund – unabhängig davon, ob diese legal in Italien leben, integriert sind oder sogar die Staatsbürgerschaft besitzen.
Bei einer Demonstration in Rom („Remigration and Reconquest“) skandierten Tausende diesen Begriff. Es gab auch faschistische Rufe wie „Duce, Duce“. Ein Vertreter der neofaschistischen Gruppe CasaPound formulierte es offen: Man wolle auch legale Einwanderer, die sich „nicht angepasst“ hätten, „nach Hause schicken“. Das geht weit über die übliche migrationspolitische Debatte hinaus, die sich vor allem auf illegale Einwanderung, Straftäter oder fehlgeschlagene Integration konzentriert. Stattdessen steht hier ein ethnisch-kulturelles Reinheitsideal im Vordergrund.
Solche Positionen zielen nicht nur auf aktuelle Probleme ab, sondern auf eine grundsätzliche Veränderung der Bevölkerungszusammensetzung. Das unterscheidet sie deutlich von konservativen oder rechtspopulistischen Ansätzen, die strengere Grenzkontrollen oder schnellere Abschiebungen fordern.
Die neue Partei und ihr Gründer
Roberto Vannacci, ein ehemaliger General des italienischen Heeres, war zunächst mit der rechtspopulistischen Lega von Matteo Salvini verbunden. Nach Konflikten trat er aus und gründete im Februar 2026 „Futuro Nazionale“. Die Partei befindet sich noch in der Aufbauphase (kürzlich fand die konstituierende Versammlung statt) und liegt in aktuellen Umfragen bei etwa vier bis fünf Prozent. Das klingt wenig, könnte aber ausreichen, um Melonis Partei „Fratelli d’Italia“ (Brüder Italiens) Stimmen abzunehmen und das rechte Lager zu spalten.
Vannacci wurde einem breiteren Publikum durch sein Buch „Il mondo al contrario“ (deutsch: „Verkehrte Welt“) bekannt. Darin kritisiert er scharf, was er als „Diktatur der Minderheiten“ bezeichnet, und äußert sich ablehnend zu Homosexualität, bestimmten Formen der Migration und „politischer Korrektheit“. Auf Parteiveranstaltungen rief er „Italien den Italienern!“ – ein historisch belasteter Slogan aus der faschistischen Zeit Italiens unter Benito Mussolini.
Die Partei hat nach eigenen Angaben in kurzer Zeit fast 100.000 zahlende Mitglieder gewonnen – ein bemerkenswerter Erfolg für eine Neugründung.
Das Verhältnis zu Giorgia Meloni
Meloni selbst vertritt eine harte Linie in der Migrationspolitik und gilt als eine der prominentesten rechten Regierungschefinnen Europas. Vannacci wirft ihr jedoch vor, zu weich und zu kompromissbereit zu sein. Er positioniert sich als „wahre Rechte“ für jene, die mit der Regierungsarbeit unzufrieden sind. Meloni weist diese Kritik entschieden zurück. Die jüngste Demonstration in Rom machte die Spaltung im rechten Spektrum sichtbar.
Einordnung für Deutschland
Ähnliche Debatten gibt es auch hierzulande, etwa in Teilen der AfD oder im identitären Milieu. Der Begriff „Remigration“ taucht dort ebenfalls auf. In Italien ist die Schwelle zur offenen Bezugnahme auf faschistische Symbole und Rhetorik jedoch niedriger. Während der Hitlergruß verboten ist, wurden auf der Demo faschistische Grüße gezeigt.
Die Migrationsforschung verwendet „Remigration“ in der Regel nicht als neutralen Begriff, weil er stark politisch aufgeladen ist. Er dient in extremen Kreisen als Kampfbegriff für weitreichende, ethnisch motivierte Vertreibungen – einschließlich eingebürgerter Bürger. Das geht über rechtsstaatliche Abschiebungen von Straftätern oder abgelehnten Asylbewerbern hinaus.
Warum das relevant ist
Die Entstehung von „Futuro Nazionale“ ist mehr als eine Randerscheinung. Sie zeigt, wie sich Teile des rechten Spektrums weiter radikalisieren können, selbst unter einer bereits rechten Regierung. Offene Bezüge zum Faschismus, Forderungen nach Massen-Rückführungen und rasches Mitgliederwachstum sind besorgniserregend.
Für Deutschland bedeutet dies: Entwicklungen in Italien (*) verdienen Aufmerksamkeit, da rechtspopulistische und -extremistische Ideen oft über nationale Grenzen hinweg zirkulieren.
Erklär mir Italien!
Sehnsuchtsort der Deutschen, Sorgenkind Europas: Wie kann ein Land bloß so schön und doch so verdorben und verwirrt sein – eine Frage, die sich nach den Wahlen im März 2018 noch dringlicher als zuvor stellt.
(*) Hinweis: Hinter einigen Links stehen Affiliate-Programme. Für Sie bleibt der Preis exakt derselbe, wir erhalten jedoch eine kleine Provision, die wir direkt in unsere kommenden Recherchen investieren. Vielen Dank, dass Sie unsere Arbeit auf diese Weise unterstützen!

