Freibad, Keime und der eigene Beitrag zur Hygiene
Sommer, Sonne (*), Freibad – für viele die pure Erholung. Doch zwischen Planschvergnügen und Sprungturm lauern unsichtbare Begleiter: Keime im Wasser, auf den Fliesen und in der Luft. Die gute Nachricht: Das Risiko einer ernsthaften Infektion ist für gesunde Menschen äußerst gering. Die weniger gute: Das Wasser ist kein Trinkwasser, und die Hygiene hängt maßgeblich von uns Badegästen selbst ab.
Urin, Schweiß und Co.: Was wirklich im Wasser ist
Dass ins Freibadwasser nicht nur Badegäste, sondern auch diverse Hinterlassenschaften gelangen, ist kein Geheimnis. Gemeint sind damit in erster Linie organische Stoffe wie Hautschuppen, Schweiß, Kosmetikreste und Harnstoff. Letzterer stammt nicht nur von kleinen „Pipi-Unfällen“, sondern wird auch über den Schweiß ausgeschieden.
Diese Stoffe sind es, die das Chlor im Wasser binden. Es entstehen sogenannte Chloramine – und die sind für den typischen, stechenden „Chlorgeruch“ verantwortlich, der oft fälschlicherweise mit Sauberkeit gleichgesetzt wird. Ein intensiver Geruch ist in Wahrheit ein Indikator für viele Verunreinigungen und nicht für ausreichend Desinfektion. Je mehr wir also vor dem Baden duschen, desto weniger organische Stoffe gelangen ins Becken, desto weniger „Chlor“ riecht es und desto wirksamer kann das Desinfektionsmittel seine Arbeit verrichten.
Die wahrscheinlichsten „Freibad-Krankheiten“
Die Übertragung von Krankheiten erfolgt im Freibad auf zwei Wegen: durch Verschlucken von Wasser oder durch Kontakt mit kontaminierten Oberflächen. Die häufigsten Risiken sind gut bekannt und in den meisten Fällen gut vermeidbar.
- Fußpilz: Der Klassiker wird praktisch nie im Beckenwasser übertragen, sondern fast ausschließlich in den Duschen, Umkleidekabinen und auf den feuchten Laufflächen. Hier fühlen sich die Pilze wohl.
- Schwimmbad-Otitis: Eine Entzündung des äußeren Gehörgangs, die durch Bakterien wie Pseudomonas verursacht wird. Das Bakterium gedeiht besonders in warmem Wasser und kann beim Schwimmen ins Ohr eindringen.
- Bindehautentzündung: Reizungen oder Infektionen der Augen durch Chlor oder Keime. Das Chlor greift den natürlichen Tränenfilm an und macht die Augen anfälliger.
- Magen-Darm-Infektionen: Sie sind möglich, aber seltener als oft angenommen. Eine Ansteckung wäre nur durch das Verschlucken größerer Wassermengen denkbar. Die Desinfektion und Filterung in öffentlichen Bädern ist hier sehr zuverlässig.
- Pseudomonas-Infektionen (z.B. „Whirlpool-Dermatitis“): Diese Bakterien sind Umweltkeime, die vor allem in schlecht gewarteten, warmen Pools oder Whirlpools Probleme bereiten. In öffentlichen Freibädern mit strenger Kontrolle sind sie seltener ein Problem, es sei denn, extreme Hitze und hoher Andrang führen zu temporären Problemen.
Keimfreiheit ist eine Illusion – und das ist okay
Das Wasser in öffentlichen Bädern unterliegt strengen Kontrollen und muss hygienisch einwandfrei sein. Aber: Es kann und soll nicht steril sein. Ein hundertprozentiger Schutz vor Keimen ist unmöglich, aber die Wahrscheinlichkeit, sich eine ernsthafte Infektion zuzuziehen, ist für einen gesunden Menschen verschwindend gering.
Das bedeutet für einen verantwortungsvollen Besuch:
- Vor dem Baden duschen: Das ist das Wichtigste überhaupt. Gründlich einseifen entfernt Keime, Schweiß und Kosmetik und schützt damit nicht nur das Wasser, sondern auch alle anderen Badegäste.
- Badeschuhe tragen: Vor allem in Duschen und Umkleiden. Das ist der einfachste Schutz vor Fußpilz.
- Füße gut abtrocknen: Nach dem Duschen und Baden die Zehenzwischenräume nicht vergessen. Feuchte Haut ist ein idealer Nährboden für Pilze.
- Schwimmbrille tragen: Sie schützt die Augen vor Chlorreizungen und verhindert, dass Keime ins Auge gelangen.
- Nasse Badesachen wechseln: Nach dem Baden trockene Kleidung anziehen, um Blasenentzündungen oder Scheideninfektionen vorzubeugen.
- Wasser nicht schlucken: Das ist die grundlegendste Regel, um einer Magen-Darm-Infektion vorzubeugen.
- Bei Wunden und Krankheiten zu Hause bleiben: Frische Wunden haben im Freibad nichts zu suchen. Gleiches gilt für ansteckende Infekte.
- Eigenverantwortung für Kinder: Bademeister ersetzen keine elterliche Aufsicht. Die Sicherheit der Kinder liegt in der Verantwortung der Eltern. Bei Babys und Kleinkindern ist eine spezielle Schwimmwinde Pflicht, um das Wasser vor fäkalien Keimen zu schützen.
Zusammengefasst
Ein Besuch im Freibad ist für die allermeisten Menschen absolut unbedenklich. Das Wasser ist sauberer, als sein Ruf es manchmal vermuten lässt. Die größte Gefahr geht nicht von Keimen im Becken aus, sondern von nachlässiger Hygiene außerhalb des Wassers – beim Duschen, Umziehen und Abtrocknen. Wer die einfachen Regeln befolgt, schützt sich selbst und sorgt dafür, dass der Badespaß für alle erhalten bleibt.
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