Windows-Update legt SSDs lahm – was Nutzer jetzt wissen müssen
Wenn Microsoft zum monatlichen Patch Day Sicherheits- und Systemupdates veröffentlicht, erwarten Anwender in erster Linie geschlossene Sicherheitslücken, mehr Stabilität und verbesserte Systemleistung. Dass diese Updates jedoch auch unerwartete Probleme mit sich bringen können, zeigt aktuell das Windows-11-Update KB5036788 vom August-Patch-Day 2025.
Mehrere Nutzer berichten seit der Installation von plötzlichen Ausfällen ihrer SSDs, vor allem nach umfangreichen Schreibvorgängen. Selbst renommierte Hardware-Hersteller wie Phison haben bereits reagiert und Untersuchungen eingeleitet. Doch was steckt tatsächlich hinter den Meldungen – und wie sollten Sie als Anwender nun vorgehen?
1. Das Problem im Überblick
Nach Nutzerberichten verursacht das August-Update KB5036788 unter bestimmten Bedingungen SSD-Ausfälle, insbesondere nach Schreiboperationen ab etwa 50 GB.
- Betroffene Laufwerke werden nach einem Neustart teilweise nicht mehr im BIOS oder Windows erkannt.
- Partitionen erscheinen als korrupt oder unzugänglich.
- In besonders schweren Fällen müssen die Laufwerke neu formatiert oder ersetzt werden.
Auffällig ist, dass sich die Meldungen stark auf Modelle mit dem Phison-Controller PS5012-E12 konzentrieren – einem Controller, der in sehr vielen SSDs unterschiedlicher Marken verbaut ist.
2. Stellungnahme von Phison
Der taiwanische Controller-Spezialist Phison hat die Existenz von Problemen inzwischen bestätigt, jedoch betont, dass diese nicht ausschließlich auf einzelne Modelle oder eine fehlerhafte Firmware zurückzuführen seien. Vielmehr deute einiges auf eine Inkompatibilität mit dem Windows-Update selbst hin.
Kernaussagen aus Phisons bisheriger Stellungnahme:
- Man untersucht das Problem in Zusammenarbeit mit Microsoft und den SSD-Herstellern.
- Betroffen sein könnten mehrere Controller-Generationen, nicht nur der PS5012-E12.
- Firmware-Anpassungen oder Treiber-Updates durch die SSD-Hersteller gelten als wahrscheinlichste Lösung.
- Endkunden-Support läuft nicht direkt über Phison, sondern über die jeweiligen Marken (z. B. Corsair, Seagate, Sabrent oder PNY).
3. Warum gerade der PS5012-E12 so häufig betroffen ist
Der Phison PS5012-E12 kam 2018 auf den Markt und war einer der ersten Controller, die PCIe 3.0 x4 voll ausnutzen konnten. Er wurde in zahllosen Mittelklasse- und High-End-SSDs verbaut.
- Viele Hersteller verwenden Referenzdesigns von Phison, ändern lediglich Firmware und Branding.
- Dadurch sind SSDs unterschiedlicher Marken technisch fast identisch.
- Die große Verbreitung erklärt, warum das aktuelle Problem so viele Anwender gleichzeitig betrifft.
4. Handlungsempfehlungen für Windows-Nutzer
Da Microsoft bisher keine offizielle Stellungnahme veröffentlicht hat, sollten Sie vorerst selbst Vorsichtsmaßnahmen treffen:
- Backups anlegen: Sichern Sie wichtige Daten regelmäßig auf externen Laufwerken oder in der Cloud.
- Große Schreiboperationen vermeiden: Verschieben oder kopieren Sie keine sehr großen Datenmengen, bis Klarheit über das Problem besteht.
- Firmware und Treiber prüfen: Besuchen Sie regelmäßig die Support-Seiten Ihres SSD-Herstellers, um mögliche Updates nicht zu verpassen.
- Update zurückstellen oder deinstallieren: Falls Sie KB5036788 noch nicht installiert haben, empfiehlt es sich zu warten. Falls bereits installiert, kann eine Deinstallation in kritischen Fällen sinnvoll sein.
5. Technischer Hintergrund
Dass ein Windows-Update Hardwareprobleme auslösen kann, ist nicht neu. In den vergangenen Jahren kam es wiederholt zu Treiber- oder Firmware-Inkompatibilitäten, die einzelne Hardwarekomponenten zeitweise lahmlegten.
Die aktuellen SSD-Ausfälle verdeutlichen zwei grundlegende Schwachstellen des IT-Ökosystems:
- Enge Verzahnung zwischen Software und Hardware: Selbst kleine Änderungen im Betriebssystem können unerwartet tief in die Funktionsweise von Controllern eingreifen.
- Standardisierung in der Branche: Wenn viele Hersteller denselben Controller nutzen, kann ein einzelnes Problem schnell zu einem branchenweiten Risiko werden.
6. Fazit
Die Berichte über SSD-Ausfälle nach Installation des Windows-11-Patch-Day-Updates KB5036788 sind ernst zu nehmen. Während bislang noch unklar ist, ob ausschließlich Phison-Controller betroffen sind, verdichten sich die Hinweise, dass der weit verbreitete PS5012-E12 eine zentrale Rolle spielt.
Bis Microsoft oder die SSD-Hersteller eine Lösung in Form von Firmware-Patches oder Windows-Korrekturupdates veröffentlichen, sollten betroffene Nutzer mit besonderer Vorsicht agieren, regelmäßig Backups anlegen und die Entwicklung aufmerksam verfolgen.

