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Sechs verbreitete Irrtümer über ETFs – und was wirklich stimmt

ETFs gelten als einfaches Anlageinstrument. Doch rund um sie ranken sich hartnäckige Missverständnisse – auch bei erfahrenen Anlegerinnen und Anlegern.


ETFs (Exchange Traded Funds, also börsengehandelte Fonds) haben die Geldanlage für viele Menschen zugänglicher gemacht. Trotzdem kursieren zahlreiche Halbwahrheiten. Dieser Artikel räumt mit den sechs häufigsten Irrtümern auf – und ergänzt zwei weitere Fallen, die echtes Geld kosten können.

Die sechs Irrtümer

Irrtum 1 „Alle ETFs sind passiv und bilden einfach einen Index ab“

„ETFs folgen immer stur einem Index – mehr nicht.“

Das war früher größtenteils so, stimmt aber heute nicht mehr. Die Zahl aktiv gemanagter ETFs wächst stark. Dabei treffen Fondsmanager bewusst Anlageentscheidungen und versuchen, den Markt zu übertreffen – genauso wie bei klassischen Investmentfonds. Der Unterschied zum klassischen Fonds: Der aktive ETF ist weiterhin börsengehandelt, also jederzeit kaufbar und verkaufbar.

Merke: „ETF“ beschreibt die Handelsform (börsengehandelt), nicht die Anlagestrategie.

Irrtum 2 „Passive ETFs sind automatisch sicherer als aktive“

„Weil kein Manager eingreift, geht weniger schief.“

Das Risiko eines ETFs hängt nicht davon ab, ob er aktiv oder passiv verwaltet wird – sondern davon, was drin ist. Ein passiver ETF auf volatile Technologieaktien kann deutlich riskanter sein als ein aktiver ETF, der ausschließlich in stabile Staatsanleihen investiert. Aktive Manager haben zudem die Möglichkeit, bei drohenden Kurseinbrüchen frühzeitig umzuschichten – etwas, das ein passiver Fonds konstruktionsbedingt nicht kann.

Immer den Inhalt prüfen, nicht nur die Verwaltungsform.

Irrtum 3 „Mit aktiven ETFs schlägt man den Markt sowieso nicht“

„Aktive Manager scheitern immer – Studien beweisen das.“

Es stimmt, dass die Mehrheit aktiver Fonds ihren Vergleichsindex langfristig nicht schlägt – insbesondere nach Kosten. Dennoch gibt es Ausnahmen: Manager mit tiefem Branchenwissen oder umfangreichen Analysekapazitäten erzielen in bestimmten Marktsegmenten dauerhaft eine Überrendite (Fachbegriff: Alpha). Die Herausforderung für Anleger besteht darin, diese Manager im Voraus zu identifizieren.

Irrtum 4 „ETFs eignen sich nur für kurzfristiges Trading“

„ETFs sind Spekulationsinstrumente für aktive Händler.“

Weil ETFs wie Aktien börsengehandelt sind, denken manche, sie seien vor allem zum schnellen Kaufen und Verkaufen gedacht. Das Gegenteil ist oft der Fall: Gerade ihre niedrigen laufenden Kosten machen ETFs zu einem besonders effizienten Instrument für langfristige Anlagestrategien. Viele Vermögensberater empfehlen sie genau für das sogenannte Buy-and-Hold – also kaufen und jahrelang liegen lassen.

Günstige Kosten + langer Anlagehorizont = einer der stärksten Zinseszinseffekte.

Irrtum 5 „ETFs müssen täglich alle Positionen offenlegen“

„Volle Transparenz ist gesetzlich vorgeschrieben.“

Das war lange der Standard, gilt aber nicht mehr uneingeschränkt. Viele aktiv gemanagte ETFs veröffentlichen ihre genauen Positionen nur verzögert oder in aggregierter Form, um ihre Anlagestrategie zu schützen. Würden sie täglich alle Käufe offenlegen, könnten andere Marktteilnehmer diese kopieren – zum Nachteil der ETF-Anleger. Bei bestimmten Anlageklassen wie Anleihen ist tägliche Transparenz auch schlicht nicht nötig für einen fairen Handel.

Irrtum 6 „Wenig Handelsvolumen bedeutet schlechte Handelbarkeit“

„Wenn kaum jemand diesen ETF kauft, kann ich ihn schwer verkaufen.“

Das ist der am häufigsten missverstandene Punkt. Die Handelbarkeit (Liquidität) eines ETFs ergibt sich nicht aus dem eigenen täglichen Handelsvolumen, sondern aus der Liquidität der enthaltenen Wertpapiere. Investiert ein ETF in große, gut gehandelte Aktien wie jene im S&P 500, können sogenannte Market Maker jederzeit neue ETF-Anteile schaffen oder auflösen – über den „Creation/Redemption“-Mechanismus. Ein solcher ETF ist also auch bei geringem Eigenvolumen problemlos handelbar.

Relevant ist: Was steckt im ETF? Nicht: Wie oft wird der ETF selbst gehandelt?


Zwei weitere Fallen, die echtes Geld kosten

Falle A

Der Herdentrieb

Viele kaufen ETFs, wenn sie bereits stark gestiegen sind – etwa nach einem KI-Boom oder Krypto-Hype. Wer so vorgeht, kauft teuer und verkauft oft panisch bei der nächsten Korrektur. Experten nennen das „Performance-Chasing“ – und es ist einer der häufigsten Fehler privater Anleger.

Falle B

Der Kosten-Irrtum

Nicht jeder ETF ist günstig. Ein S&P-500-ETF kann 0,03 % pro Jahr kosten, ein Nischen-ETF auf eine spezielle Branche oft 0,75 % oder mehr. Bei 10.000 € Anlagesumme über 20 Jahre kann dieser Unterschied mehrere Tausend Euro ausmachen – ein Betrag, der bei günstigen Fonds einfach im Depot verbleibt.

Die hier genannte Kennzahl für laufende Kosten heißt TER (Total Expense Ratio, auf Deutsch: Gesamtkostenquote). Sie ist im Produktinformationsblatt jedes ETFs ausgewiesen und der wichtigste Vergleichswert beim Kostenvergleich.

Fazit

ETFs sind ein mächtiges Werkzeug – aber kein Selbstläufer. Wer die typischen Irrtümer kennt, versteht besser, welche ETFs wirklich ins eigene Portfolio passen und wie man unnötige Risiken vermeidet.

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