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Roter Teppich allein reicht nicht: Warum Deutschland mehr als einen Gipfel braucht

Am 19. und 20. Oktober lädt die Bundesregierung zum ersten „Invest in Germany Summit“ nach Berlin. Rund 200 internationale Investoren und Konzernchefs, darunter Nvidia und BlackRock, sollen davon überzeugt werden, ihr Geld in Deutschland anzulegen. Das Vorbild ist Frankreichs „Choose France“. Das klingt gut. Doch Sie ahnen es vermutlich schon: Ein schöner Empfang ersetzt keinen guten Standort.

Worum es eigentlich geht

Stellen Sie sich vor, Sie wollen eine Fabrik bauen. Sie fragen nicht, wo der Empfang am freundlichsten war, sondern wo sich die Fabrik in zehn Jahren noch rechnet. Und genau da hat Deutschland ein Problem: hohe Kosten für Arbeit und Energie, viel Bürokratie und lange Genehmigungsverfahren. Dazu kommen Handelskonflikte und geopolitische Unsicherheit.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) dämpft deshalb die Erwartungen. Seine nüchterne Diagnose lautet: Seit sechs Jahren wächst die deutsche Wirtschaft fast nur noch, weil der Staat mehr ausgibt. Aus eigener Kraft kommt die Privatwirtschaft kaum voran.

Die Zahlen hinter dem Problem

  • Private Investitionen schwächeln: Unternehmen investierten im Frühjahr 2026 noch über 10 % weniger als 2019, also vor Corona (*). Der Staat dagegen investiert rund 20 % mehr als damals, vor allem wegen des Sondervermögens für Infrastruktur und der höheren Verteidigungsausgaben.
  • Riesige Lücke: Seit 2020 haben Unternehmen laut IW rund 470 Milliarden Euro weniger investiert, als nach dem früheren Trend zu erwarten gewesen wäre.

Warum Sie das betrifft: Investitionen in Maschinen, Software und Forschung entscheiden darüber, wie produktiv wir morgen arbeiten. Davon hängen Löhne und Arbeitsplätze ab, auch Ihre.

Ist Investieren im Ausland schlecht?

Nicht automatisch. Wer im Ausland neue Kunden gewinnt, verkauft oft auch mehr aus Deutschland. Kritisch wird es, wenn Firmen abwandern, weil es hierzulande zu teuer ist.

Genau das nimmt zu. Laut einer DIHK-Umfrage unter 1.700 Industriebetrieben planen 43 % in diesem Jahr Auslandsinvestitionen. Von ihnen nennen 41 % Kostensenkung als Hauptgrund, vor einem Jahr waren es noch 35 %. Das ist der höchste Wert seit 2003. Fast die Hälfte dieser Betriebe will zugleich Arbeitsplätze in Deutschland abbauen. Das ist kein bloßes Konjunkturtief mehr, sondern ein Standortproblem.

Was jetzt passieren muss

  • schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren
  • bezahlbare, verlässliche Energiepreise
  • spürbar weniger Bürokratie, gerade für den Mittelstand
  • eine Wirtschaftspolitik, auf die man sich über Jahre verlassen kann
  • Reformen, die private Investitionen anstoßen, statt nur staatliche Milliarden auszugeben

Mein Fazit

Staatliches Geld kann einen Anschub geben, private Investitionen kann es aber nicht ersetzen. Der Gipfel ist ein Anfang. Ob daraus Wachstum und Arbeitsplätze werden, entscheidet sich nicht an zwei Tagen in Berlin, sondern bei jeder Reform, die danach kommt oder eben ausbleibt.



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