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Karibik stellt sich hinter Infantino – trotz Kritik am geplatzten WM-Deal

Gianni Infantino ist der Wiederwahl als FIFA-Präsident wieder ein Stück näher. Die Karibische Fußballunion (CFU) will im März 2027 geschlossen für ihn stimmen. Das ist bemerkenswert, denn vor wenigen Monaten haben die karibischen Verbände seinen umstrittenen Investorenplan noch selbst abgelehnt.

25 Stimmen aus der Karibik

Die CFU hat 31 Mitglieder. 25 davon sind FIFA-Mitglieder und dürfen bei der Präsidentenwahl abstimmen. Diese 25 Verbände wollen geschlossen für den Schweizer stimmen. Als Grund nennt die CFU die Förder- und Entwicklungsprogramme der FIFA. Viele Verbände in der Region haben wenig Geld und wenig Personal. Die FIFA will außerdem ihre Zahlungen an die Mitgliedsverbände deutlich erhöhen. Für kleine Inselstaaten ist das ein starkes Argument. Infantino reiste zuletzt zweimal in die Karibik, um für sich zu werben.

Die Unterstützung hat aber Bedingungen. Die CFU fordert mehr Transparenz, gute Führung und echte Reformen. Jeder Verband soll fair vertreten werden.

Ein Widerspruch innerhalb der Concacaf

Die CFU ist kein eigener Kontinentalverband. Sie gehört zur Concacaf, dem Verband für Nord- und Mittelamerika und die Karibik. Die Concacaf hat 41 Mitglieder, 35 davon stimmen bei der FIFA ab. Gut zwei Drittel dieser Stimmen kommen also aus der Karibik.

Im Sommer lehnten alle Concacaf-Mitglieder, auch die karibischen, Infantinos Investorenplan einstimmig ab. Concacaf-Präsident Victor Montagliani erklärte danach zusammen mit UEFA und AFC, das Vertrauen in Infantino sei gebrochen. Montagliani gilt selbst als möglicher Gegenkandidat. Die Karibik kritisiert also den Plan, setzt aber weiter auf Infantino. Die Interessen innerhalb der Concacaf gehen damit klar auseinander. Die großen Verbände wie die USA, Kanada und Mexiko gehen auf Distanz, die kleinen Inselstaaten halten zu ihm.

Der geplatzte WM-Deal

Ende Juli 2026 stellte Infantino die „FIFA Forward Enterprise“ vor. Das sollte eine neue Tochterfirma werden, die die kommerziellen Rechte an FIFA-Turnieren bündelt, also Fernsehrechte, Sponsoring, Tickets und Lizenzen, auch für die WM. Die Firma sollte rund 20 Milliarden Dollar wert sein. Private Investoren sollten bis zu 20 Prozent kaufen können, das hätte der FIFA bis zu 4,2 Milliarden Dollar gebracht. Als Hauptinvestor war die Firma von Joshua Kushner im Gespräch, dem Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.

Die Kritik kam sofort. Die UEFA drohte mit einem Boykott aller FIFA-Wettbewerbe, und auch Concacaf und der asiatische Verband AFC lehnten den Plan ab. Die Kritiker bemängelten, dass die FIFA-Gremien nicht beteiligt waren, dass der Plan nicht transparent war und dass private Geldgeber zu viel Einfluss bekommen könnten. Nach nur drei Tagen zog Infantino den Plan zurück. Ganz vorbei ist die Sache aber nicht. Die UEFA prüft rechtliche Schritte gegen den FIFA-Präsidenten.

Infantinos Ausgangslage

Die Wahl findet am 18. März 2027 beim FIFA-Kongress in Rabat (Marokko) statt. Jeder der 211 Mitgliedsverbände hat eine Stimme:

KontinentalverbandStimmen
UEFA (Europa)55
CAF (Afrika)54
AFC (Asien)46
Concacaf (Nord-/Mittelamerika, Karibik)35
OFC (Ozeanien)11
Conmebol (Südamerika)10

Afrika hat Infantino alle 54 Stimmen zugesagt. Auch Asien (außer Japan), Südamerika und Ozeanien stehen hinter ihm. Zusammen mit der Karibik kommt er rechnerisch auf rund 145 Stimmen. Das reicht knapp für die Zweidrittelmehrheit, die er braucht, um schon im ersten Wahlgang zu gewinnen. Die Wahl ist allerdings geheim. Widerstand gibt es vor allem in Europa: Mehrere Verbände, darunter die aus Skandinavien, der Schweiz und Frankreich, wollen ihn nicht wählen. Der DFB hat kein Unterstützungsschreiben unterzeichnet.

Infantino ist seit 2016 im Amt. Seine ersten Jahre zählen laut Statuten nicht als volle Amtszeit. Deshalb darf er 2027 noch einmal kandidieren. Es wäre seine vierte Wahl und laut Statuten seine letzte Amtszeit, die bis 2031 dauern würde.

Die Herausforderer

Kandidaturen müssen bis zum 18. November 2026 eingereicht werden. Jeder Kandidat braucht die Unterstützung von mindestens fünf Mitgliedsverbänden.

  • Kozo Tashima (68): Ehrenpräsident und von 2016 bis 2024 Präsident des japanischen Fußballverbands, seit 2015 Mitglied im FIFA-Rat. Der japanische Verband unterstützt ihn, er braucht noch vier weitere Verbände. Er gilt als erster ernstzunehmender Herausforderer.
  • Ramon Vega: Der frühere Schweizer Nationalspieler, unter anderem bei Tottenham und Celtic, ist bereits dreimal daran gescheitert, die fünf nötigen Unterstützer zu finden.

Beide haben nach heutigem Stand nur geringe Chancen.

Einordnung

Die Unterstützung der Karibik ist mehr als eine Geste. Sie zeigt, worauf Infantinos Macht beruht: Die FIFA verteilt viel Geld an kleine Verbände, und Infantino pflegt persönliche Kontakte. Für die Karibik ist das eine praktische Entscheidung, sie kritisiert den Stil, will aber auf die Förderung nicht verzichten. Ob die Forderungen nach Transparenz und Reformen nach der Wahl etwas verändern, ist offen. Der gescheiterte Investorendeal und der Streit mit der UEFA bleiben Infantinos größte Schwachstelle.



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