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Rente 2027: Mehr Geld im Juli, höhere Beiträge ab 2028 und eine offene Reform

Wer gesetzliche Rente bezieht, darf sich auch 2027 auf ein deutliches Plus freuen. Beschäftigte und Arbeitgeber müssen sich dagegen auf steigende Beiträge einstellen. Und wie lange künftig gearbeitet werden muss, entscheidet die Politik erst in den kommenden Monaten. Ein Überblick.

Rund 4,1 Prozent mehr Rente ab Juli 2027

Nach dem Entwurf des Rentenversicherungsberichts 2026 sollen die gesetzlichen Renten zum 1. Juli 2027 um 4,09 Prozent steigen. Das betrifft gut 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner. Bereits im Juli 2026 gab es ein Plus von 4,24 Prozent.

Was heißt das konkret? Pro 100 Euro Rente gibt es rund 4,09 Euro mehr (brutto). Aus 1.500 Euro würden etwa 1.561 Euro. Der Rentenwert, also der Monatsbetrag für einen Entgeltpunkt, stiege von 42,52 Euro auf rund 44,26 Euro.

Noch nicht endgültig: Die Zahl ist eine Prognose und hat sich bereits mehrfach geändert. Verbindlich festgelegt wird die Erhöhung im Frühjahr 2027 per Verordnung der Bundesregierung, mit Zustimmung des Bundesrats. Maßgeblich ist vor allem, wie stark die Löhne 2026 gestiegen sind.

Warum fällt das Plus so hoch aus? Grundsätzlich folgen die Renten den Löhnen. Zusätzlich gilt bis 2031 eine sogenannte Haltelinie: Das Rentenniveau darf nicht unter 48 Prozent fallen. Das treibt die Erhöhungen derzeit nach oben. Für die Jahre danach werden kleinere Anpassungen erwartet, für 2028 nach bisherigen Schätzungen nur gut 2 Prozent.

Zweimal 46,5 Prozent, zwei verschiedene Bedeutungen

Im Rentenversicherungsberichts taucht die Zahl 46,5 Prozent zweimal auf. Sie meint jeweils etwas anderes:

  • Rentenanstieg bis 2040: Bei unveränderter Rechtslage könnten die Renten bis 2040 insgesamt um 46,5 Prozent steigen. Das entspricht etwa 2,8 Prozent pro Jahr, nicht 46,5 Prozent jährlich.
  • Rentenniveau 2040: Das Rentenniveau soll nach Auslaufen der Haltelinie von 48 auf 46,5 Prozent sinken. Es beschreibt das Verhältnis einer Standardrente (45 Jahre Durchschnittsverdienst) zum durchschnittlichen Lohn, jeweils nach Sozialabgaben und vor Steuern.

Beides passt zusammen: Die Renten steigen in Euro deutlich, die Löhne aber noch etwas stärker. Rentner fallen also relativ zu den Beschäftigten etwas zurück, ohne dass ihre Rente sinkt.

Höhere Beiträge ab 2028

Der Beitragssatz zur Rentenversicherung (*) liegt seit 2018 bei 18,6 Prozent und soll 2027 noch stabil bleiben. Danach wird es teurer:

JahrBeitragssatz (Prognose)
202718,6 %
202819,7 %
202919,8 %
204021,0 %

Beschäftigte und Arbeitgeber zahlen jeweils die Hälfte. Bei 4.000 Euro Bruttolohn stiege der Arbeitnehmeranteil 2028 von 372 auf 394 Euro im Monat, also um 22 Euro. Gleichzeitig steigen die Lohnnebenkosten der Unternehmen. Auch diese Werte sind Prognosen und hängen von Löhnen, Beschäftigung und künftigen Gesetzen ab.

Die große Rentenreform: noch nicht beschlossen

Die Vorausberechnungen beruhen auf dem geltenden Recht. Die geplante Rentenreform der Bundesregierung ist darin noch nicht eingerechnet. Sie stützt sich auf die Empfehlungen einer Expertenkommission vom Juni 2026. Das Kabinett will den Gesetzentwurf möglichst bis Ende 2026 beschließen, der Bundestag soll im Frühjahr 2027 entscheiden. Zwei Punkte sind besonders umstritten:

1. Rentenalter an die Lebenserwartung koppeln

Die Anhebung auf 67 Jahre ist 2031 abgeschlossen. Ab 2032 soll das Rentenalter der Lebenserwartung folgen, im Verhältnis 2:1: Steigt die Lebenserwartung um ein Jahr, arbeitet man rund acht Monate länger und bezieht vier Monate länger Rente. Nach heutigen Annahmen ergäbe das bis 2041 etwa 67,5 Jahre. Welche Jahrgänge zuerst betroffen wären, ist noch offen.

2. Ende der abschlagsfreien Rente nach 45 Jahren

Die oft „Rente mit 63“ genannte Regelung erlaubt besonders langjährig Versicherten mit 45 Beitragsjahren einen früheren Ruhestand ohne Abzüge. Tatsächlich liegt diese Grenze für alle ab Jahrgang 1964 bereits bei 65 Jahren. Sie soll entfallen. Wer früher aufhören will, könnte das weiterhin nach 35 Versicherungsjahren tun, dann aber mit Abschlägen von 0,3 Prozent pro Monat, die lebenslang gelten. Zudem soll dieses früheste Rentenalter von 63 auf 64 Jahre steigen und künftig mit der Regelaltersgrenze mitwachsen.

Gewerkschaften und Sozialverbände lehnen ein höheres Rentenalter und das Ende der abschlagsfreien Rente ab. Die Bundesregierung argumentiert, nur so ließen sich Beiträge und Staatsfinanzen langfristig stabilisieren.

Zusammengefasst

  • Für Rentner: Ein Plus von rund 4 Prozent im Juli 2027 ist sehr wahrscheinlich, die genaue Höhe steht im Frühjahr fest. Danach dürften die Erhöhungen kleiner werden.
  • Für Beschäftigte: Ab 2028 steigen die Beiträge spürbar, bis 2040 voraussichtlich auf 21 Prozent.
  • Für alle, die noch arbeiten: Ob das Rentenalter nach 2031 weiter steigt und ob die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren bleibt, entscheidet der Bundestag voraussichtlich 2027. Bis dahin gilt das bisherige Recht.

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