Herzinfarkt: Warnzeichen erkennen – und richtig handeln
Ein Herzinfarkt ist immer ein Notfall. Halten Brustschmerzen, ein starkes Engegefühl oder Atemnot länger als fünf Minuten an, gilt: sofort die 112 wählen. Nicht abwarten, nicht auf einen Arzttermin hoffen. Jede Minute zählt, denn ohne Sauerstoff stirbt Herzmuskelgewebe unwiederbringlich ab.
Was im Herzen passiert
Der Herzmuskel wird über die Herzkranzgefäße mit Blut versorgt. Bei den meisten Menschen lagern sich über Jahre Fette, Entzündungszellen und Kalk in den Gefäßwänden ab. Diese Gefäßverkalkung nennt man Atherosklerose, an den Herzkranzgefäßen spricht man von koronarer Herzkrankheit (KHK).
Engen die Ablagerungen ein Gefäß stark ein, bekommt das Herz bei Anstrengung zu wenig Blut. Typisch ist dann ein Druck- oder Engegefühl in der Brust, das in Ruhe wieder abklingt. Mediziner nennen das stabile Angina pectoris.
Zum Infarkt kommt es meist, wenn ein solcher Belag aufreißt. An der Stelle bildet sich innerhalb kurzer Zeit ein Blutgerinnsel, das das Gefäß verschließt. Seltener lösen Gefäßkrämpfe oder Einrisse der Gefäßwand einen Infarkt aus.
Frühwarnzeichen ernst nehmen
Manche Betroffene spüren Tage bis Wochen vorher Warnzeichen, andere erst kurz vorher oder gar nicht. Zeitnah ärztlich abklären lassen sollte man:
- neue oder zunehmende Atemnot bei alltäglichen Belastungen wie Treppensteigen
- ungewöhnliche Erschöpfung oder nachlassende Belastbarkeit
- Druck, Enge oder Brennen hinter dem Brustbein bei Anstrengung, das in Ruhe nachlässt
- wiederkehrende kurze Brustbeschwerden, auch wenn sie nach wenigen Minuten verschwinden
Diese Beschwerden bedeuten nicht automatisch einen Infarkt. Sie können aber auf eine KHK hinweisen. Ihr Arzt kann das mit EKG, Belastungstest, Herzultraschall und gegebenenfalls weiteren Untersuchungen wie einer CT oder einem Herzkatheter klären.
Wann Sie sofort die 112 wählen müssen
Besonders gefährlich ist die instabile Angina pectoris. Dabei treten Beschwerden plötzlich in Ruhe oder schon bei kleinster Belastung auf, oder sie werden stärker, häufiger und länger als gewohnt. Sie kann einem Infarkt unmittelbar vorausgehen.
Rufen Sie sofort die 112 bei:
- Brustschmerz, Engegefühl oder Atemnot, die länger als fünf Minuten anhalten
- neuen Beschwerden in Ruhe oder in der Nacht, etwa wenn Sie mit Brustschmerz aufwachen
- sehr starken, ungewohnten Beschwerden, auch wenn sie nicht „typisch“ wirken
- begleitendem kaltem Schweiß, Blässe, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Todesangst
Wählen Sie die 112, nicht den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Fahren Sie nicht selbst ins Krankenhaus. Der Rettungsdienst kann schon unterwegs ein EKG schreiben, behandeln und die Klinik vorbereiten.
So erkennen Sie einen Herzinfarkt
Typisch ist ein drückender, beengender oder brennender Schmerz hinter dem Brustbein. Er kann in einen oder beide Arme, in Hals, Kiefer, Rücken, Schulterblätter oder Oberbauch ausstrahlen. Häufig kommen Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit, Blässe und große Angst hinzu. Ein Infarkt kann aber auch ganz ohne Brustschmerz verlaufen.
Frauen, Ältere und Diabetiker: oft weniger eindeutig
Auch bei Frauen ist Brustschmerz das häufigste Symptom. Frauen, ältere Menschen und Diabetiker haben aber öfter Beschwerden, die nicht ins klassische Bild passen. Dazu gehören:
- Atemnot
- extreme Müdigkeit
- Übelkeit und Erbrechen
- Schmerzen im Rücken oder Oberbauch
- Schwindel
Bei Diabetes kann das Schmerzempfinden so gedämpft sein, dass ein Infarkt kaum bemerkt wird. Deshalb gilt: Ungewohnte, starke oder anhaltende Beschwerden nicht als Magenproblem oder Erschöpfung abtun.
Bis der Rettungsdienst kommt
- Betroffene mit erhöhtem Oberkörper lagern und beruhigen
- enge Kleidung öffnen
- die Person nicht allein lassen und die Haustür öffnen
- keine Medikamente auf eigene Faust geben; Nitrospray nur, wenn es ärztlich verordnet ist, und Aspirin nur nach Rücksprache mit der Leitstelle
- bei Bewusstlosigkeit ohne normale Atmung sofort mit der Herzdruckmassage beginnen und, wenn vorhanden, einen Defibrillator (AED) nutzen
Merke: Lieber einmal zu oft die 112 wählen als einmal zu spät.
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