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Ballon d’Or 2026: „Clownswettbewerb“ oder verdiente Krönung?

Markus Babbel, Europameister von 1996, hält nichts vom Ballon d’Or. Er würde Einzelauszeichnungen im Mannschaftssport Fußball am liebsten abschaffen. Fußball lebe vom Zusammenspiel, sagt er, und ein persönlicher Preis treibe Vereine, Spieler und Fans nur in unnötige Rivalitäten. Besonders amüsiert ihn, wie beleidigt manche Klubs reagieren, wenn ihr Star leer ausgeht. Für ihn ist der Ballon d’Or deshalb „der größte Clownswettbewerb“ im Weltfußball.

Zugespitzt, aber nicht falsch

Babbel formuliert polemisch, benennt aber ein echtes Problem. Der Ballon d’Or misst nichts objektiv. Er ist das Urteil von Journalisten, die nach drei Kriterien abstimmen: individuelle Leistung, Mannschaftserfolg sowie Klasse und Fairplay. Wie stark sie diese Punkte gewichten, entscheidet jeder Juror selbst. Dazu kommt, dass sich der Anteil eines Einzelnen am Erfolg einer Mannschaft kaum sauber herausrechnen lässt. Torjäger stehen im Rampenlicht, während Innenverteidiger oder defensive Mittelfeldspieler leicht übersehen werden, obwohl ohne sie kein Titel gewonnen wird.

So wird gewählt

Den Preis vergibt das Magazin „France Football“ seit 2024 gemeinsam mit der UEFA. Zur 70. Ausgabe wandert die Gala erstmals aus Paris weg: Am Montag, 26. Oktober 2026, wird im Londoner Palladium Theatre verliehen. London ehrt damit Stanley Matthews, den Engländer, der 1956 als erster Spieler den Goldenen Ball gewann.

Bewertet wird die Saison 2025/26 einschließlich der WM 2026. Bei den Männern stimmt je ein Journalist aus den 100 bestplatzierten Ländern der FIFA-Weltrangliste ab, bei den Frauen aus den Top 50. Jeder Juror wählt aus 30 Nominierten zehn aus und bringt sie in eine Rangfolge. Platz eins bringt 15 Punkte, danach folgen 12, 10, 8, 7, 5, 4, 3, 2 und 1 Punkt. Die Abstimmung endete Ende September, der Sieger steht also längst fest.

Männer: Dreikampf mit offenem Ausgang

Die besten Zahlen hat Harry Kane vom FC Bayern. Er erzielte 61 Tore in 51 Pflichtspielen, gewann Meisterschaft und Pokal und holte den Goldenen Schuh als bester Torjäger Europas. Bei den Buchmachern war er lange klarer Favorit. Lamine Yamal (19) vom FC Barcelona hat dagegen die Titel auf seiner Seite: spanische Meisterschaft und WM-Titel mit Spanien. Gewinnt er, wäre er der jüngste Sieger der Geschichte. Kylian Mbappé von Real Madrid wurde mit zehn Treffern WM-Torschützenkönig und ist mit 22 Toren nun Rekordtorschütze bei Weltmeisterschaften. Mit Real gewann er allerdings keinen großen Titel. Auf den Wettmärkten wechselte die Führung zuletzt mehrfach.

Wie emotional die Wahl ist, zeigt Real Madrid. Der Klub blieb der Gala 2024 und 2025 fern. Auslöser war 2024 der Sieg von Rodri (Manchester City) vor dem favorisierten Vinícius Júnior. Für dieses Jahr wird über eine Rückkehr der Madrilenen spekuliert, offenbar in der Hoffnung auf Mbappé. Einen besseren Beleg für Babbels These gibt es kaum.

Frauen: Eine Ära endet

Seit 2021 gewann immer eine Spielerin des FC Barcelona: Alexia Putellas 2021 und 2022, Aitana Bonmatí 2023, 2024 und 2025. Bonmatí fehlt diesmal verletzungsbedingt. Damit gibt es auf jeden Fall eine neue Siegerin, oder Putellas holt sich den Preis zurück. Sie verabschiedete sich mit Meisterschaft und Champions-League-Titel aus Barcelona, spielt inzwischen für die London City Lionesses und zählt erneut zu den Topfavoritinnen.

Aus deutscher Sicht ruhen die Hoffnungen auf Klara Bühl (25) vom FC Bayern. Schon eine Platzierung weit vorn wäre ein großer Erfolg. Nach Babbels Meinung dürfte es diesen Wettbewerb allerdings gar nicht geben.



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