Was bedeutet das mögliche Ende der Einspeisevergütung für private Solaranlagen?
Die Bundesregierung diskutiert derzeit eine Reform des Erneuerbare‑Energien‑Gesetzes (EEG), die für viele private Solarbesitzer weitreichende Folgen hätte. Ein Referentenentwurf aus dem Bundeswirtschaftsministerium sieht vor, die Einspeisevergütung für neue Photovoltaikanlagen bis 25 Kilowatt Leistung ab 2027 abzuschaffen. Doch was bedeutet das konkret – und wie realistisch ist die Umsetzung?
Was ist geplant – und was ist noch offen?
Der Entwurf aus dem Wirtschaftsministerium schlägt vor:
- Ab 1. Januar 2027: Für neue PV‑Anlagen unter 25 kWp gäbe es keine Einspeisevergütung mehr.
- Stattdessen müssten Betreiber ihren überschüssigen Strom selbst vermarkten.
- Für die Jahre 2027–2029 ist eine Übergangsregelung vorgesehen, weil dafür flächendeckend Smart Meter nötig wären.
- Größere Anlagen über 25 kWp sollen eine neue Form der Direktvermarktungsförderung erhalten.
- Bestandsanlagen behalten selbstverständlich ihren Anspruch auf 20 Jahre Vergütung.
Wichtig: Der Entwurf ist noch nicht beschlossen. Innerhalb der Bundesregierung gibt es keine Einigkeit, und der Koalitionspartner SPD hat bereits deutliche Kritik geäußert. Ob und in welcher Form die Reform kommt, ist daher offen.
Warum ist die Einspeisevergütung für viele Haushalte heute weniger wichtig?
Die Vergütung für neue Anlagen liegt aktuell bei rund 7–8 Cent pro Kilowattstunde. Eine selbst verbrauchte Kilowattstunde spart dagegen 30–35 Cent – also etwa das Vierfache.
Deshalb gilt schon seit Jahren:
- Je höher der Eigenverbrauch, desto wirtschaftlicher die Anlage.
- Haushalte mit Wärmepumpe, Batteriespeicher oder Elektroauto profitieren besonders.
- Wer nur wenig Strom selbst nutzt, ist stärker auf die Einspeisevergütung angewiesen.
Ohne Vergütung würden sich Anlagen für Haushalte mit geringem Eigenverbrauch künftig kaum noch rechnen.
Wie lässt sich der Eigenverbrauch erhöhen?
Für neue Anlagen ist das heute Standard:
- Batteriespeicher Speichern Strom für den Abend und die Nacht.
- Wärmepumpe Nutzt Solarstrom für Heizung und Warmwasser.
- Elektroauto Besonders sinnvoll, wenn tagsüber geladen werden kann.
- Warmwasserboiler mit Heizstab Eine einfache Möglichkeit, überschüssigen Strom zu nutzen.
Früher war es sinnvoll, Anlagen kleiner zu dimensionieren, um wenig Überschuss zu erzeugen. Heute gilt eher: Wenn das Gerüst steht, lohnt es sich, das Dach vollzumachen, weil Module sehr günstig geworden sind.
Selbstvermarktung: realistische Option oder teures Problem?
Der Entwurf sieht vor, dass Haushalte ihren Strom selbst vermarkten müssen. Das klingt einfacher, als es ist:
- Für Kleinanlagen gibt es kaum Dienstleister, die das wirtschaftlich anbieten.
- Die Prozesse sind komplex und bisher nicht standardisiert.
- Die Vermarktungskosten könnten höher sein als die Erlöse.
- In der Praxis könnte das bedeuten: Überschussstrom wird abgeregelt, statt eingespeist.
Für viele private Betreiber wäre das ein deutlicher Rückschritt.
Welche Folgen hätte die Reform für die Solarbranche?
Die Branche warnt vor einem deutlichen Einbruch:
- Der Zubau im Heimbereich ist bereits 2024 und 2025 zurückgegangen.
- Laut Branchenverband BSW Solar wären Amortisationszeiten von unter 10 Jahren ohne Einspeisevergütung kaum erreichbar.
- Eine Analyse von Aroundhome zeigt: Über 95 % der privaten Anlagen in Deutschland liegen unter 25 kWp – sie wären also betroffen.
- In ländlichen Regionen wie Bayern gibt es zwar mehr größere Anlagen, aber auch dort liegt der Anteil über 25 kWp nur bei 7–8 %.
Die Branche rechnet im Fall einer Umsetzung mit einem Rückgang des jährlichen Zubaus im Heimbereich von 5 GW (2025) auf unter 2 GW (2027).
Wen würde die Reform besonders treffen?
- Haushalte ohne Wärmepumpe, Speicher oder E‑Auto Sie können wenig Eigenverbrauch erzeugen und wären auf die Vergütung angewiesen.
- Mieter und Vermieter Mieterstrommodelle würden komplizierter.
- Ländliche Haushalte mit großen Dachflächen Auch dort sind die meisten Anlagen kleiner als 25 kWp.
- Neubauprojekte Die Wirtschaftlichkeit würde sinken.
Für viele Betreiber bedeutet das: mehrere Hundert Euro weniger Einnahmen pro Jahr.
Fazit: Große Unsicherheit – und hoher Informationsbedarf
Die geplante Abschaffung der Einspeisevergütung wäre ein Paradigmenwechsel in der deutschen Solarförderung. Ob sie kommt, ist politisch offen – die Auswirkungen wären jedoch erheblich:
- Eigenverbrauch wird noch wichtiger.
- Kleine Anlagen könnten unattraktiver werden.
- Der Ausbau der Solarenergie könnte sich verlangsamen.
Für private Haushalte heißt das: Wer eine PV‑Anlage plant, sollte die politische Entwicklung genau beobachten – und prüfen, wie hoch der eigene Eigenverbrauch künftig sein kann.

