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Riesige Hyalomma-Zecken treten zunehmend auch in Deutschland auf

Mit steigenden Temperaturen beginnt in Deutschland wieder die Zeckensaison. Neben den bekannten heimischen Arten rückt dabei zunehmend auch eine ungewöhnlich große Zeckenart in den Fokus von Forschern: die sogenannte Hyalomma-Zecke. Einzelne Exemplare wurden in den vergangenen Jahren wiederholt auch in Deutschland gefunden.

Eine ungewöhnlich große Zeckenart

Hyalomma-Zecken gehören zu einer Gattung von Zecken, die vor allem in Afrika, dem Nahen Osten, Teilen Asiens sowie im Mittelmeerraum verbreitet ist. Die in Deutschland nachgewiesenen Arten sind meist Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes.

Im Vergleich zu heimischen Zecken wirken sie auffällig groß. Der in Deutschland häufigste Vertreter, der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), erreicht als ungefüttertes Tier nur etwa zwei bis vier Millimeter Körperlänge. Hyalomma-Zecken können dagegen etwa fünf bis acht Millimeter lang werden. Durch ihre langen, gebänderten Beine erscheinen sie deutlich größer. Vollgesogene Weibchen können eine Länge von bis zu etwa zwei Zentimetern erreichen.

Ein weiteres charakteristisches Merkmal sind die hell-dunkel gestreiften Beine, die sie von vielen anderen Zeckenarten unterscheiden.

Anderes Verhalten als heimische Zecken

Neben ihrem Aussehen unterscheidet sich auch das Verhalten der Hyalomma-Zecken von vielen heimischen Arten.

Der Gemeine Holzbock nutzt überwiegend eine sogenannte Lauerstrategie. Dabei klettert die Zecke auf Gräser oder niedrige Pflanzen und wartet darauf, dass ein vorbeistreifendes Tier oder ein Mensch sie aufnimmt.

Hyalomma-Zecken zeigen dagegen ein aktiveres Suchverhalten. Sie besitzen relativ gut entwickelte Augen und reagieren auf verschiedene Reize wie:

  • Körperwärme
  • Geruchsstoffe wie Kohlendioxid oder Ammoniak
  • Vibrationen

Wenn ein potenzieller Wirt wahrgenommen wird, kann sich die Zecke aktiv auf ihn zubewegen. Beobachtungen zeigen, dass sie dabei mehrere Meter über den Boden laufen kann, um einen Wirt zu erreichen. Dieses Verhalten führt häufig zu der Beschreibung, die Zecke „jage“ ihre Wirte.

Typische Wirte sind größere Säugetiere, insbesondere Pferde, Rinder oder Wildtiere. Gelegentlich können jedoch auch Menschen gestochen werden.

Mögliche Übertragung von Krankheitserregern

Hyalomma-Zecken sind medizinisch relevant, weil sie verschiedene Krankheitserreger übertragen können. Dazu gehören unter anderem:

  • Rickettsien, die bestimmte Fleckfieber-Erkrankungen auslösen können
  • Anaplasma-Bakterien
  • Ehrlichia-Bakterien
  • teilweise auch Protozoen wie Babesia

Besondere Aufmerksamkeit erhält die Zeckenart, weil einige Hyalomma-Arten als wichtiger Überträger des Krim-Kongo-Hämorrhagischen Fiebers (CCHF) gelten. Diese virale Erkrankung kommt vor allem in Afrika, Südosteuropa und Teilen Asiens vor und kann schwere Verläufe verursachen.

Bislang wurden jedoch keine Fälle einer lokalen Übertragung dieser Krankheit durch Hyalomma-Zecken in Deutschland nachgewiesen.

Wie die Zecken nach Deutschland gelangen

Hyalomma-Zecken gelangen meist nicht dauerhaft aus eigener Kraft nach Mitteleuropa, sondern werden vor allem über Zugvögel eingeschleppt.

Die Larven und Nymphen der Zecken parasitieren häufig auf Vögeln. Während des Vogelzugs können sie so über große Entfernungen transportiert werden und beispielsweise aus Afrika nach Europa gelangen.

Wenn die klimatischen Bedingungen günstig sind, können sich die eingeschleppten Zecken weiterentwickeln und das Erwachsenenstadium erreichen.

Zunehmende Funde in Deutschland

In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland wiederholt einzelne Hyalomma-Zecken gefunden. Meldungen gab es unter anderem aus:

  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Hessen
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz
  • Niedersachsen
  • Schleswig-Holstein

Besonders nach heißen und trockenen Sommern steigen die Chancen, dass eingeschleppte Zecken den Entwicklungszyklus vollständig durchlaufen.

Forschende gehen davon aus, dass Klimaveränderungen die Wahrscheinlichkeit erhöhen könnten, dass solche wärmeliebenden Arten zeitweise auch in Mitteleuropa überleben.

Meldung ungewöhnlicher Zeckenfunde

Für Hyalomma-Zecken besteht in Deutschland keine gesetzliche Meldepflicht. Wissenschaftler bitten die Bevölkerung jedoch, auffällig große Zecken zu melden oder einzusenden. Ein bekanntes Forschungsprojekt wird unter anderem von der Universität Hohenheim koordiniert.

Solche Meldungen helfen Forschern dabei, die Ausbreitung neuer Zeckenarten besser zu überwachen.

Was nach einem Zeckenstich zu beachten ist

Grundsätzlich gelten bei Hyalomma-Zecken dieselben Vorsichtsmaßnahmen wie bei anderen Zeckenarten:

  • Zecken sollten möglichst frühzeitig entfernt werden.
  • Die Stichstelle sollte beobachtet werden.
  • Bei Fieber, Hautausschlag oder grippeähnlichen Symptomen nach einem Zeckenstich sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Auch wenn Hyalomma-Zecken in Deutschland bisher nur vereinzelt auftreten, zeigt ihr Auftreten, dass sich das Artenspektrum von Krankheitsüberträgern in Europa verändern kann. Forschende beobachten die Entwicklung daher weiterhin aufmerksam.

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