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Aktienrente nach schwedischem Vorbild?

Deutschland diskutiert seit Jahren über die Zukunft der gesetzlichen Rente. Der Grund ist bekannt: Die Bevölkerung wird älter, gleichzeitig kommen weniger Beitragszahler auf immer mehr Rentnerinnen und Rentner. Ohne Reformen drohen langfristig steigende Beiträge oder ein sinkendes Rentenniveau.

Ein viel diskutierter Ansatz ist eine sogenannte Aktienrente beziehungsweise kapitalgedeckte Ergänzung der gesetzlichen Rente. Die Idee dahinter: Ein Teil der Beiträge wird nicht direkt für heutige Rentner ausgegeben, sondern langfristig am Kapitalmarkt investiert. Dadurch soll zusätzliches Vermögen entstehen, das spätere Renten finanzieren kann.

Wichtig: Ein deutsches Modell wäre nicht einfach eine Kopie der schwedischen Lösung. Schweden besitzt bereits seit Jahren ein verpflichtendes kapitalgedecktes Element innerhalb seines Rentensystems. Deutschland würde ein eigenes Modell entwickeln.

Was könnte geplant werden?

Ein möglicher Vorschlag sieht vor, die gesetzliche Rentenversicherung (*) um einen kapitalgedeckten Baustein zu erweitern.

Heute werden die Rentenbeiträge nach dem Umlageverfahren verwendet:

  • Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen zusammen 18,6 % des Bruttolohns.
  • Dieses Geld finanziert hauptsächlich die aktuellen Renten.

Bei einer Aktienrente würde ein zusätzlicher Teil des Beitrags in Kapitalanlagen fließen. Denkbar wäre beispielsweise eine schrittweise Erhöhung eines zusätzlichen Beitragsanteils.

Bei einem Bruttoeinkommen von 52.000 Euro im Jahr würde ein zusätzlicher Arbeitnehmeranteil von 1 % ungefähr 520 Euro pro Jahr bedeuten. Der Arbeitgeber würde denselben Betrag beitragen.

Der Vorteil: Das Geld würde nicht sofort ausgegeben, sondern könnte über Jahrzehnte Renditen erwirtschaften.

Wie würde das Geld investiert?

Der Kapitalstock müsste professionell verwaltet werden. Möglich wären beispielsweise breit gestreute Fonds, die weltweit in Aktien investieren.

Entscheidend wären:

1. Breite Streuung

Ein weltweiter Aktienfonds investiert nicht in einzelne Unternehmen, sondern verteilt das Risiko über viele Länder und Branchen.

2. Niedrige Kosten

Bei langfristigen Anlagen spielen Gebühren eine große Rolle. Niedrige Verwaltungskosten sind deshalb wichtig.

3. Lange Laufzeit

Der größte Vorteil einer Aktienanlage entsteht durch Zeit. Wer 30 oder 40 Jahre investiert, kann Kursschwankungen besser ausgleichen als jemand, der kurz vor der Rente einsteigt.

Beispielrechnung: Was könnte herauskommen?

Nehmen wir ein Beispiel:

  • Bruttoeinkommen: 52.000 Euro jährlich
  • 1% als Einzahlbetrag
  • Einzahlung über 30 Jahre
  • langfristige durchschnittliche Rendite: 6 % pro Jahr
  • anschließend Auszahlung über viele Jahre

Unter diesen Annahmen könnte ein Kapitalstock von ungefähr 100.000 Euro entstehen.

Daraus könnte eine zusätzliche Monatsrente im mittleren dreistelligen Bereich entstehen.

Die genaue Höhe hängt aber stark ab von:

  • tatsächlicher Rendite
  • Gebühren
  • Einzahlungsdauer
  • Auszahlungsregeln
  • Lebenserwartung

Eine Rendite von 6 % pro Jahr ist keine Garantie. Aktienmärkte können über viele Jahre schwanken.

Ist die Aktienrente besser als die normale gesetzliche Rente?

Ein Vergleich ist schwierig.

Würde derselbe zusätzliche Beitrag einfach in das heutige Umlagesystem fließen, würde daraus ebenfalls ein höherer Rentenanspruch entstehen.

Die Kapitalanlage hat aber einen anderen Mechanismus:

  • Umlageverfahren: Beiträge finanzieren heutige Rentner.
  • Kapitaldeckung: Beiträge werden für die eigene spätere Versorgung angespart.

Der mögliche Vorteil der Aktienrente entsteht durch langfristige Kapitalmarktrenditen.

Der Nachteil: Kapitalmärkte unterliegen Risiken. Die gesetzliche Rente basiert dagegen stärker auf staatlichen Regeln und Generationenvertrag.

Ist sie besser als ein privater ETF-Sparplan?

Nicht automatisch.

Ein Vorteil eines verpflichtenden Rentenfonds könnte sein:

  • Arbeitgeber beteiligt sich ebenfalls.
  • Große Fonds können günstiger investieren.
  • Menschen sparen automatisch.

Ein privater ETF-Sparplan bietet dagegen:

  • volle Kontrolle
  • freie Auswahl
  • jederzeitige Anpassungsmöglichkeiten

Welche Variante besser ist, hängt stark von der Ausgestaltung ab.

Was passiert mit Menschen kurz vor der Rente?

Eine wichtige Frage ist die Übergangsphase.

Wer nur noch wenige Jahre bis zur Rente hat, kann kaum von langfristigen Aktienrenditen profitieren. Deshalb wären Übergangsregeln notwendig, damit ältere Jahrgänge nicht benachteiligt werden.

Weitere mögliche Änderungen bei der Rente

Neben einer kapitalgedeckten Ergänzung werden weitere Reformen diskutiert.

Renteneintrittsalter

Ein möglicher Ansatz wäre eine stärkere Verbindung zwischen Lebenserwartung und Rentenalter. Steigt die durchschnittliche Lebenszeit, könnte auch die Arbeitsphase langsam angepasst werden.

Das bedeutet aber nicht automatisch eine Rente mit 70. Die konkrete Entwicklung hängt von politischen Entscheidungen ab.

Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren

Die sogenannte „Rente mit 63“ ermöglicht bestimmten langjährig Versicherten einen früheren Renteneintritt ohne Abschläge.

Eine Reform könnte diese Möglichkeit einschränken, weil sie das Rentensystem finanziell belastet.

Bereits bestehende Rentenansprüche wären normalerweise durch Übergangsregelungen geschützt.

Mehr Menschen in die gesetzliche Rentenversicherung (*)

Diskutiert wird, weitere Gruppen stärker einzubeziehen, beispielsweise Selbstständige oder bestimmte Berufsgruppen.

Eine allgemeine Einbeziehung aller Beamten wäre dagegen politisch und rechtlich deutlich komplizierter.

Änderungen bei Minijobs

Minijobs stehen seit Jahren in der Kritik, weil sie langfristig geringe Rentenansprüche erzeugen können.

Eine mögliche Reform könnte die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht einschränken.

Was bedeutet das für die Altersvorsorge?

Eine Aktienrente könnte die gesetzliche Rente ergänzen, aber sie ersetzt keine private Vorsorge.

Die Zukunft der Altersvorsorge wird wahrscheinlich aus mehreren Bausteinen bestehen:

  • gesetzliche Rente
  • betriebliche Altersvorsorge
  • private Geldanlage

Breit gestreute Aktienanlagen können langfristig ein sinnvoller Bestandteil sein, allerdings immer verbunden mit Marktrisiken.

Die wichtigste Erkenntnis: Eine Aktienrente kann ein zusätzliches Werkzeug sein, aber sie löst nicht automatisch alle Probleme des Rentensystems. Entscheidend sind die konkrete Ausgestaltung, niedrige Kosten und ein langfristig stabiles Konzept.


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