Selenskyjs Plan für die Straße von Hormus
Seit heute gilt in Deutschland das neue Tankstellengesetz: Kraftstoffpreise dürfen nur noch einmal am Tag erhöht werden. Für viele Autofahrerinnen und Autofahrer dürfte das angesichts der anhaltend steigenden Preise nur ein schwacher Trost sein. Der Hintergrund der Preisexplosion liegt in der eskalierenden Krise im Nahen Osten – genauer gesagt im Krieg zwischen einer internationalen Koalition und dem Iran. Dessen Auswirkungen erschüttern derzeit die globalen Energiemärkte.
Selenskyj bietet Hilfe an
Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Seehandelsrouten der Welt, ist seit Wochen weitgehend blockiert. Durch diese enge Meerenge zwischen dem Iran und Oman werden rund 20 Prozent des globalen Erdöls transportiert. Die unsichere Lage, wiederholte Drohnenangriffe und militärische Sperrzonen haben den internationalen Ölhandel nahezu zum Stillstand gebracht. Während der amerikanische Präsident wechselhafte Signale über eine mögliche militärische Intervention sendet, versuchen Europa und die Golfstaaten fieberhaft, eine diplomatische Lösung zu finden.
In dieser Situation sorgt ein überraschender Akteur für Aufmerksamkeit: der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Auf einer diplomatischen Reise durch mehrere arabische Staaten hat er seine Unterstützung bei der Sicherung der Schifffahrtswege angeboten – unter Verweis auf die Erfahrungen der Ukraine mit der russischen Blockade im Schwarzen Meer.
Selenskyj erinnerte daran, dass Russland zu Beginn seines Angriffskrieges gegen die Ukraine 2022 die Häfen im Schwarzen Meer weitgehend blockiert hatte. Damals drohte eine globale Ernährungskrise, weil Millionen Tonnen Getreide nicht exportiert werden konnten. Mit internationaler Unterstützung – und einer Mischung aus diplomatischem Druck, militärischem Schutz und technischer Innovation – gelang es der Ukraine, wieder sichere Korridore für zivile Schiffe zu schaffen. Heute passieren regelmäßig Frachter den sogenannten „Getreidekorridor“ von Odessa über das westliche Schwarze Meer, geschützt durch ukrainische Luftabwehrsysteme und maritime Aufklärung.
Parallelen zur Straße von Hormus
Nach Ansicht Selenskyjs ließen sich einige Elemente dieses Verteidigungs- und Logistikkonzepts auch im Persischen Golf umsetzen. Die Ukraine verfüge über Know-how beim Aufbau maritimer Sicherheitszonen und beim Schutz von Transportkorridoren in Konfliktregionen. Offenbar hat Kiew den arabischen Verbündeten seine technische und operative Unterstützung angeboten – etwa durch Aufklärungstechnologie oder Beratung im Bereich Luftverteidigung und Drohnenabwehr.
Militärexperten bewerten diesen Vorschlag als bemerkenswert: Zum einen zeigt er, dass die Ukraine zunehmend als sicherheitspolitischer Akteur über Europa hinaus wahrgenommen wird. Zum anderen verfolgt Selenskyj dabei ein durchaus strategisches Eigeninteresse. Der Konflikt im Nahen Osten bindet derzeit westliche Waffenlieferungen, die ursprünglich für die Ukraine bestimmt waren. Außerdem treiben die hohen Ölpreise die Einnahmen Russlands in die Höhe – eine Entwicklung, die Moskau direkten wirtschaftlichen Nutzen verschafft und den Krieg verlängern könnte.
Ein Angebot mit politischem Kalkül
Selenskyjs Vorstoß ist also nicht nur ein solidarischer Akt, sondern auch Teil einer weiterreichenden geopolitischen Strategie. Indem die Ukraine ihre Erfahrung in der maritimen Sicherheit einbringt, positioniert sie sich als relevanter Mitspieler in globalen Fragen der Energiesicherheit. Zugleich sendet Selenskyj damit ein Signal an die westlichen Partner, dass sein Land trotz eigener Bedrohung über Ressourcen, Fachwissen und Handlungsfähigkeit verfügt.
Ob sein Plan tatsächlich Wirkung zeigen wird, bleibt abzuwarten. Die Lage in der Straße von Hormus ist weit komplexer als diejenige im Schwarzen Meer. Dennoch zeigt der ukrainische Präsident mit diesem Schritt, dass er internationale Sicherheit nicht nur als Zuschauer, sondern als aktiver Gestalter mitprägt.

