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Briefporto 2027: Der Standardbrief kostet erstmals mehr als einen Euro

Zum 1. Januar 2027 will die Deutsche Post das Porto so stark anheben wie noch nie. Ein Standardbrief soll dann 1,15 Euro kosten, 20 Cent mehr als heute. Die Preise stehen noch unter dem Vorbehalt der Bundesnetzagentur. Eine Ablehnung gilt aber als unwahrscheinlich, weil die Post sich am Rahmen orientiert, den die Behörde selbst vorgeschlagen hat.

Die neuen Preise (Inland)

ProduktBisherAb 1.1.2027Plus
Postkarte0,95 €1,15 €+21 %
Standardbrief (bis 20 g)0,95 €1,15 €+21 %
Kompaktbrief (bis 50 g)1,10 €1,25 €+14 %
Großbrief1,80 €2,35 €+31 %
Maxibrief2,90 €5,00 €+72 %

Die Zuschläge für Einschreiben bleiben gleich. Die Preise gelten für 2027 und 2028. Ins Ausland kostet der Standardbrief künftig 1,45 statt 1,25 Euro.

Warum es teurer wird

Briefe werden immer seltener verschickt. 2005 waren es in Deutschland noch 16,9 Milliarden Sendungen, 2025 nur noch rund 9,4 Milliarden. Behörden, Unternehmen und Privatleute kommunizieren zunehmend digital. Die Kosten für das Netz bleiben aber weitgehend gleich: Briefkästen, Filialen, Sortierzentren und Zusteller müssen überall in Deutschland vorhanden sein. Wenn sich diese festen Kosten auf weniger Briefe verteilen, wird jeder einzelne Brief teurer. Dazu kommen steigende Löhne sowie höhere Energie- und Sachkosten.

Was die 20,35 Prozent bedeuten

Die Bundesnetzagentur legt keine Einzelpreise fest, sondern einen durchschnittlichen Spielraum: 20,35 Prozent für Privatkundenbriefe und ebenso viel für Geschäftspost. Der Wert ergibt sich aus der erwarteten Inflation (4,04 Prozent) und einem Abschlag für die sinkenden Mengen (16,31 Prozent).

Innerhalb dieses Rahmens darf die Post einzelne Produkte stärker und andere schwächer verteuern. Der Standardbrief liegt mit 21 Prozent leicht über dem Schnitt, Groß- und Maxibrief deutlich darüber. Ausgeglichen wird das durch Produkte, die weniger oder gar nicht teurer werden, wie der Kompaktbrief und die Einschreiben.

Neue Formate: Großbrief wächst, Maxibrief wird flacher

Gleichzeitig ordnet die Post ihr Angebot neu. Die Grundregel lautet: Dokumente in den Brief, Waren ins Päckchen oder Paket.

  • Großbrief: künftig bis 1 kg (bisher 500 g) und bis 3 cm hoch (bisher 2 cm).
  • Maxibrief: künftig bis 2 kg (bisher 1 kg) und größer in Länge und Breite, aber nur noch 3 cm hoch statt 5 cm. Der Maxibrief mit Zusatzentgelt entfällt.
  • Alles über 3 cm ist künftig kein Brief mehr und muss als Warensendung, Päckchen oder Paket verschickt werden.

Deshalb wirkt der Preissprung beim Maxibrief größer, als er für viele Sendungen tatsächlich ist. Was bis 1 kg wiegt und höchstens 3 cm dick ist, passt künftig in den Großbrief für 2,35 Euro. Das ist sogar günstiger als der bisherige Maxibrief für 2,90 Euro. Teurer wird es dagegen für alle, die dickere Sachen, etwa Kleinanzeigen-Ware, bisher als Maxibrief verschickt haben.

Auch das Päckchen ändert sich: Ab 2027 sind Sendungsverfolgung und eine Haftung bis 20 Euro enthalten, dafür darf es nur noch 1 kg wiegen. Die neuen Paket- und Päckchenpreise für Privatkunden hat die Post noch nicht genannt. Die Bundesnetzagentur erlaubt hier eine durchschnittliche Erhöhung von 10,72 Prozent.

Wie geht es weiter?

Die Bundesnetzagentur will ihre endgültige Entscheidung über den Spielraum voraussichtlich im November veröffentlichen. Danach muss sie die konkreten Preise der Post noch einzeln genehmigen.

Was Sie jetzt tun können

  • Briefmarken aufbrauchen: Vorhandene Euro-Briefmarken bleiben gültig. Ab Januar brauchen Sie für einen Standardbrief eine Ergänzungsmarke über 20 Cent.
  • Sendungen nachmessen: Liegt eine Sendung zwischen 2 und 3 cm Dicke oder zwischen 500 g und 1 kg, wird sie künftig oft zum günstigeren Großbrief.
  • Dicke Sendungen umplanen: Was über 3 cm hoch ist, geht künftig nur noch als Warensendung, Päckchen oder Paket. Ein Preisvergleich mit anderen Paketdiensten lohnt sich.
  • Als Unternehmen neu kalkulieren: Für Privathaushalte beziffert die Post die Mehrkosten auf rund 75 Cent im Monat. Für Vielversender mit Papierrechnungen, Mahnungen oder Katalogen summiert sich die Erhöhung jedoch schnell. Spätestens jetzt lohnt der Umstieg auf die E-Rechnung.

Einordnung

Laut Post liegt das deutsche Porto auch nach der Erhöhung unter dem europäischen Durchschnitt von 1,52 Euro. In Österreich kostet ein Standardbrief einen Euro, in den Niederlanden 1,40 Euro und in Frankreich bald 1,67 Euro. Langfristig ist der Trend trotzdem deutlich: 2012 kostete ein Standardbrief noch 55 Cent. Mit 1,15 Euro hat sich das Porto in 15 Jahren mehr als verdoppelt.


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