Verbraucherwarnung: Wenn der teure Saft nur ein teures Versprechen ist
Die Ernüchterung ist groß, wenn ein beworbenes Wunderprodukt bei genauerem Hinsehen vor allem eines ist: ein teurer Saft mit viel Marketing. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat zum 15. Mal den „Goldenen Windbeutel“ für die „dreisteste Werbelüge des Jahres“ verliehen . Der diesjährige Preisträger ist das „Mikronährstoffkonzentrat“ LaVita .
Was steckt wirklich im teuren Saft?
Mehr als 66.000 Verbraucher haben abgestimmt, 39,2 Prozent von ihnen wählten LaVita auf den negativen ersten Platz . Das Produkt wird vom Hersteller als „Fit fürs Leben“ beworben und soll ein natürliches Konzentrat aus über 70 Obst-, Gemüse- und Kräutersorten sein . Foodwatch sieht das kritisch: Das Getränk besteht demnach zu rund 70 Prozent aus Fruchtsaftkonzentrat, angereichert mit 26 zugesetzten Vitaminen und Nährstoffen – von denen einige synthetisch sind .
Der Preis ist bemerkenswert: Für einen Liter verlangt der Hersteller 100 Euro, die Halbliterflasche kostet 50 Euro . Der Hersteller kontert, dass der Literpreis für ein Konzentrat kein geeigneter Maßstab sei, da es verdünnt getrunken werde, und der Portionspreis bei etwa einem Euro liege .
Gesundheitsversprechen mit Risiko
Foodwatch kritisiert nicht nur den Preis, sondern auch mögliche gesundheitliche Risiken. Bei der vom Hersteller empfohlenen Tagesdosis von 10 Millilitern überschreiten laut Foodwatch acht der Vitamine und Nährstoffe die Referenzmenge für die tägliche Zufuhr . Wer bei Stress die doppelte Menge nimmt, nimmt sogar 14 Vitamine und Nährstoffe in zu hoher Dosierung zu sich . Die Nährwerttabelle auf der Verpackung enthalte nur Häkchen statt konkreter Werte und verschleiere so die hohe Dosierung .
Besonders problematisch: Ein zu hoher Gehalt an Vitamin K kann die Wirkung bestimmter Medikamente beeinträchtigen, doch auf der Verpackung findet sich laut Foodwatch kein Hinweis, einen Arzt zu konsultieren . Die Ernährungsmedizinerin Diana Rubin betont: Die tägliche Basis der Gesundheit sei eine ausgewogene Ernährung. Wer einen Nährstoffmangel vermutet, sollte ärztlichen Rat einholen, statt zu „hochdosierten und teuren Mitteln“ zu greifen . Nach einer Umfrage der IKK classic nehmen 66 Prozent der Nutzer von Nahrungsergänzungsmitteln diese zur Stärkung des Immunsystems, obwohl bei nur 33 Prozent ein ärztlich festgestellter Mangel vorliegt .
Wie reagiert der Hersteller?
Die LaVita GmbH weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet die Kritik als „plakative Vorwürfe und falsche Darstellungen“ . Das Unternehmen hat jedoch auf die öffentliche Kritik reagiert: Die Werbung mit dem Begriff „Saubertrank“ wurde bereits gestoppt, und der Slogan „Fit fürs Leben“ soll erneut rechtlich geprüft werden . Zudem räumt LaVita ein, dass nicht alle Zutaten „restlos“ zu 100 Prozent natürlichen Ursprungs sind .
Foodwatch hingegen sieht das Produkt als beispielhaft für „Gesundheits-Abzocke“ und fordert die Politik auf, die Lebensmittelüberwachung besser auszustatten, um Verbrauchertäuschung wirksamer zu stoppen . Auch eine gesetzliche Definition des Begriffs „natürlich“ für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel wird gefordert .
Die weiteren „Gewinner“ des Negativpreises
Neben LaVita waren vier weitere Produkte für den Goldenen Windbeutel nominiert :
- Platz 2: Airfryer-Backpulver von Dr. Oetker (21,9 %) – beworben als Spezialprodukt für die Heißluftfritteuse, aber in der Wirkung angeblich identisch mit normalem Backpulver und mindestens doppelt so teuer .
- Platz 3: Matcha-Joghurt von Andechser Natur (20,8 %) – enthält nur 0,1 Prozent Matcha, die grüne Farbe stammt von Spirulina .
- Platz 4: „Oh Yeah Bear Libido“ von Beautybears (14,4 %) – soll laut Foodwatch die gleiche Wirkung auf die Libido haben wie normale Gummibärchen, kostet aber das 27-Fache .
- Platz 5: Airwaves Cool Cassis von Mars (3,7 %) – kleinere Packung bei fast gleichem Preis .
Was Verbraucher tun können
Die Wahl zum „Goldenen Windbeutel“ zeigt eindrücklich, wie leicht sich mit geschickten Gesundheitsversprechen hohe Preise durchsetzen lassen. Verbraucher sollten bei Nahrungsergänzungsmitteln kritisch hinterfragen, ob der versprochene Nutzen den Preis rechtfertigt. Eine ausgewogene Ernährung bleibt die beste Grundlage für die Gesundheit – teure Säfte und Pillen ersetzen sie nicht. Bei einem vermuteten Nährstoffmangel ist der Gang zum Arzt oder zur Ärztin der sicherere und oft günstigere Weg, als zu überteuerten Produkten zu greifen, deren Werbeversprechen bei genauerem Hinsehen nicht halten, was sie suggerieren.
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