Lebensmittel bleiben teuer – auch 2027
Die Weltbank rechnet damit, dass Nahrungsmittel auf den Weltmärkten weiter teurer werden. Nach rund 10 Prozent Anstieg in diesem Jahr erwartet sie für 2027 nochmals etwa 7 Prozent. Zusammen sind das gut 18 Prozent in nur zwei Jahren. Besonders stark trifft es Getreide: Weizen dürfte 2026 um mehr als ein Viertel teurer werden.
Warum Lebensmittel teurer werden
Drei Entwicklungen kommen zusammen:
- Gestörte Getreidetransporte: Angriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer behindern die Exporte aus der Ukraine und Russland. Beide Länder gehören zu den wichtigsten Getreidelieferanten der Welt.
- El Niño: Dieses Wetterphänomen im Pazifik verschiebt Regen und Temperaturen weltweit. In wichtigen Anbauregionen drohen Dürren oder Überschwemmungen und damit schlechtere Ernten.
- Teure Energie und teurer Dünger: Landwirtschaft braucht viel Energie, etwa für Traktoren, Bewässerung, Transport und vor allem für die Herstellung von Stickstoffdünger, die auf Erdgas angewiesen ist. Steigen Öl- und Gaspreise, werden auch Lebensmittel teurer.
Energie: der stärkste Preistreiber
Noch kräftiger steigen die Energiepreise: um etwa 32 Prozent in diesem Jahr. Ursache ist vor allem der Krieg im Nahen Osten. Das weltweite Ölangebot schrumpft so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr, und die Ölreserven werden aufgebraucht. Ein Barrel der Nordseesorte Brent dürfte 2026 im Schnitt rund 91 Dollar kosten, nach 69 Dollar im Vorjahr.
Für 2027 erwartet die Weltbank eine leichte Entspannung. Öl soll auf etwa 79 Dollar fallen, und die Rohstoffpreise insgesamt sollen um rund 7 Prozent sinken, nach einem Plus von 23 Prozent in diesem Jahr. Das gilt allerdings nur, wenn sich die Konflikte nicht weiter verschärfen.
Was bedeutet das für den Einkauf in Deutschland?
Die Prognosen beziehen sich auf Weltmarktpreise für Rohstoffe wie Weizen, Mais oder Speiseöl, nicht auf Preise im Supermarkt. Beim Brot macht das Getreide nur einen kleinen Teil des Ladenpreises aus. Den Großteil bestimmen Löhne, Verarbeitung, Verpackung, Transport und Handel. Höhere Weltmarktpreise kommen deshalb meist abgeschwächt und mit Verzögerung bei uns an. Wie stark, hängt auch vom Euro-Dollar-Kurs und von der Preispolitik der Händler ab.
Das größte Risiko: eine Nahrungsmittelkrise
Die Weltbank warnt vor einem Worst-Case-Szenario. In diesem Fall kämen mehrere Entwicklungen gleichzeitig zusammen:
- der Nahostkonflikt eskaliert,
- Russlands Ölanlagen werden weiter beschädigt,
- die Angriffe im Schwarzen Meer nehmen zu,
- El Niño fällt besonders heftig aus.
Dann könnte Öl 2027 rund 105 Dollar je Barrel kosten. Nahrungsmittel lägen etwa 12 Prozent über der ohnehin schon erhöhten Prognose, also teurer als im Krisenjahr 2022.
Am härtesten träfe das ärmere Länder und Haushalte, die einen Großteil ihres Einkommens für Essen ausgeben. Als extrem arm gilt nach Weltbank-Definition, wer kaufkraftbereinigt weniger als 3 US-Dollar pro Tag zur Verfügung hat. Das sind derzeit rund 800 Millionen Menschen weltweit.
Ausblick
Energie und Rohstoffe insgesamt dürften 2027 etwas günstiger werden. Lebensmittel dagegen bleiben ein Preistreiber und steigen voraussichtlich auch im kommenden Jahr weiter. Ob es dabei bleibt oder schlimmer kommt, hängt vor allem von drei Fragen ab: Bleibt der Nahostkonflikt begrenzt? Fließen die Getreidelieferungen wieder? Und wie stark trifft El Niño die Ernten?
(*) Hinweis: Hinter einigen Links stehen Affiliate-Programme. Für Sie bleibt der Preis exakt derselbe, wir erhalten jedoch eine kleine Provision, die wir direkt in unsere kommenden Recherchen investieren. Vielen Dank, dass Sie unsere Arbeit auf diese Weise unterstützen!

