Fünf IFA-Gadgets 2026, bei denen ich mich frage: Brauche ich das wirklich?
Die IFA 2026 ist vorbei, und wie jedes Jahr war Berlin fünf Tage lang eine Wundertüte aus KI, Apps und vernetzten Geräten. Laut Veranstalter kamen dieses Jahr rund 240.000 Besucher aus 155 Ländern zusammen, mehr als 2.000 Aussteller waren vertreten – ein neuer Rekord für die Messe. Zwischen all den ernsthaften Innovationen gab es aber auch einige Geräte, bei denen ich mich frage, ob sie mein Leben wirklich leichter machen – oder ob da einfach ein simples Produkt mit App, Kamera und „KI“ aufgeladen wurde. Hier sind fünf davon.
1. Roomba Duo: Ein Saugroboter trägt einen kleineren im Arm
iRobot hat mit dem „Roomba Duo“ ein Konzept gezeigt, das auf den ersten Blick nach Science-Fiction klingt: Ein großer Hauptroboter (etwa 60 cm hoch, 30 kg schwer) saugt und wischt mit Dampf, während er einen sehr kompakten Begleitroboter mit sich führt und ihn per Roboterarm gezielt unter Möbeln oder in engen Ecken absetzt. Beide teilen sich eine Karte und eine gemeinsame Ladestation.
Wichtig zu wissen: Es handelt sich um einen reinen Konzept-Prototyp. iRobot hat weder einen Preis noch einen Marktstart bestätigt – das Ganze dient offiziell dazu, das Kundeninteresse an so einem System zu testen. Branchenschätzungen gehen davon aus, dass ein Serienmodell, sollte es kommen, oberhalb von 1.700 Dollar liegen dürfte. Clever gelöst für Nischen wie Sofakanten oder Tischbeine – aber noch lange kein Beweis, dass sich der Aufwand für den Alltag lohnt.
2. Dreame LumaTempo: das smarte Aquarium
Das „Dreame LumaTempo“ (Modell TFO10) ist ein 28-Liter-Aquarium mit App-Steuerung, automatischer Fütterung (bis zu 15 Fütterungen pro Tag programmierbar), Wasserüberwachung und wechselbaren Lichtmodi. Auf der IFA wurde es sogar mehrfach ausgezeichnet, unter anderem von The Verge und Gizmodo.
Meine Einordnung bleibt trotzdem kritisch: Was hier tatsächlich automatisiert wird, sind Fütterungszeiten, Beleuchtung und Fernsteuerung per App. Das ist praktisch, aber keine „künstliche Intelligenz“ im eigentlichen Sinn – von einer eigenständigen Diagnose der Wasserwerte oder des Fischverhaltens ist bislang nicht die Rede. Der Begriff „KI“ wird hier, wie so oft, ziemlich großzügig verwendet.
3. Philips Hue Liane 360°: der Lichtschlauch für 400 Euro
Philips hat mit der „Hue Liane 360°“ einen frei im Raum biegbaren LED-Lichtschlauch vorgestellt, der dank „OmniGlow“-Technologie für gleichmäßige, punktfreie Farbübergänge sorgen soll. Für die 3-Meter-Version werden ab 399,99 Euro fällig, eine 5-Meter-Variante gibt es ebenfalls.
Sachlich ist daran nichts falsch – aber die Einordnung ist wichtig: Das ist eindeutig ein Premium-Produkt für Licht-Enthusiasten, keine Alltagslösung. Ob die sanften Übergänge im normalen Wohnzimmer wirklich einen spürbaren Mehrwert gegenüber einem klassischen LED-Streifen bieten, bleibt letztlich Geschmackssache – und eine Frage des Budgets.
4. Odyss N1: die Halskette, die dein Essen beobachtet
Die „Odyss N1″ ist eine Halskette mit Kamera, die Mahlzeiten automatisch erkennen und dein Essverhalten auswerten soll – ganz ohne manuelles Fotografieren oder Eintragen. Das Gerät hat auf der IFA sogar den Innovation Award gewonnen und wirbt tatsächlich mit Beispielempfehlungen wie „noch 20 Gramm Protein zum Abendessen“.
Hier lohnt sich trotzdem ein zweiter Blick: Die Erkennungsgenauigkeit von über 99 Prozent, mit der der Hersteller wirbt, stammt aus internen Tests unter kontrollierten Bedingungen mit Vorserienmodellen – wie zuverlässig das im echten Alltag mit komplexen, vermischten Mahlzeiten funktioniert, ist offen. Genauso ungeklärt sind die Datenschutzfragen: Eine Kamera, die dauerhaft am Hals hängt und Essenssituationen filmt, wirft naturgemäß Fragen auf, auch wenn der Hersteller einen manuellen Ausschalter verspricht. Und die Ernährungsbewertung selbst basiert laut eigenen Angaben nicht auf klinischen Standards, sondern auf einer hauseigenen Methodik.
5. Dyson CameraJet: die Zahnbürste mit Kamera und KI
Und ja, dieses Gerät existiert tatsächlich – und zwar sehr konkret. Die Dyson CameraJet ist seit dem 1. September 2026 erhältlich, kostet in Deutschland 479 Euro, hat eine Mini-Kamera mit 100.000 Pixeln verbaut, die 28 Bilder pro Sekunde auswertet, um Zahnzwischenräume zu erkennen und dort gezielt einen Wasserstrahl abzugeben. Laut Dyson steckt sechs Jahre Entwicklungsarbeit von 661 Ingenieurinnen und Ingenieuren dahinter. Konkurrent Colgate hat prompt mit einer spöttischen Werbekampagne reagiert, die auf den hohen Preis anspielt.
Meine Einschätzung: Die Idee, das lästige Zahnseide-Problem technisch zu lösen, ist nicht abwegig – Studien zeigen tatsächlich, dass die meisten Menschen zu selten Zahnseide benutzen. Ob der Nutzen für Zahnfleisch und Zähne aber tatsächlich über eine gründliche manuelle Reinigung mit Zahnseide hinausgeht, ist bislang nicht unabhängig belegt, sondern beruht vor allem auf herstellereigenen Tests. Für den Preis einer Zahnbürste bekommt man auch ein gutes Smartphone.
Was die Messe insgesamt zeigt
Mit rund 240.000 Besuchern und über 2.000 Ausstellern bleibt die IFA eine der größten Elektronikmessen Europas, mit klarem Schwerpunkt auf Smart Home, KI und vernetzten Geräten. Und genau dort entsteht auch der Eindruck, den ich oben beschrieben habe: Manche Funktionen dienen eher dem Marketing als dem echten Alltagsnutzen.
Mein Fazit für dich
Nicht jede KI-Funktion ist automatisch hilfreich. Oft wird ein eigentlich simples Gerät mit App, Cloud-Anbindung und dem Etikett „intelligent“ aufgewertet, ohne dass der Mehrwert im Alltag klar wird.
Bei Konzepten wie dem Roomba Duo lohnt sich Geduld: Prototyp heißt nicht Serienprodukt. Und bei Geräten wie der Odyss-Halskette oder der Dyson-Zahnbürste, die tatsächlich schon kaufbar sind, lohnt sich ein Blick auf die Details hinter den Werbeversprechen – vor allem, wenn Genauigkeits- oder Wirksamkeitsangaben direkt vom Hersteller stammen.
Wenn du über einen Kauf nachdenkst, frag dich am besten:
- Welches konkrete Problem löst das Gerät für mich?
- Was kann es auch ohne App oder Internetverbindung?
- Was passiert, wenn der Cloud-Dienst dahinter in drei Jahren abgeschaltet wird?
Technik soll dein Leben leichter machen – und nicht selbst zum Dauertestobjekt werden.

